Es gibt einige Berufe, in denen die Anerkennung in keinem Verhältnis zur Mühe oder zur Bedeutung der Arbeit steht. Die Menschen, die diese Berufe ausüben, sehen ihre Arbeit als Berufung. Einer der herausragenden Berufe dieser Art ist das Lehramt. Dieser Beruf hat der israelischen Kultur einige ihrer prägenden Figuren geschenkt - eine von ihnen ist „Onkel Joschua“.

Jugend und Naturunterricht

Joschua Margolin wurde 1877 in der russischen Ortschaft Hororitz geboren. Als Kind lernte er die Tora, und später erwarb er auch eine russischsprachige Allgemeinbildung und beschäftigte sich mit der neueren hebräischen Literatur. Margolin war eine poetische Seele und besonders beeindruckt von der Natur, der Tier- und Pflanzenwelt. Über jede Entdeckung in der biblischen, talmudischen und aggadischen Literatur freute er sich, denn darin fand er Spuren der lebendigen Verbindung zwischen unseren Vorfahren und der Natur unseres Landes.

1909 wanderte er ins Land Israel ein und unterrichtete in Jaffa. Er beteiligte sich an der Theatergruppe der „Liebhaber der hebräischen Bühne“ und schloss sich der Bewegung „Hapoel Hatzair“ an. Margolin gehörte zur Generation der ersten Lehrer im Land Israel. In seiner pädagogischen Arbeit erkannte er, wie wichtig es war, bei Kindern die Kenntnis der Natur zu fördern. Als ihm jedoch klar wurde, dass diese pädagogische Aufgabe gründliche Kenntnisse der Natur und der Unterrichtsmethoden voraussetzte, kehrte er nach Russland zurück und studierte an der Universität Kiew an der Fakultät für Naturwissenschaften.

Ende 1923 kehrte er ins Land zurück und arbeitete als Naturkundelehrer in Mikwe Israel. Dort steckte er viele seiner Schüler mit seiner Liebe zur Natur an und machte gemeinsam mit den anderen Lehrern Mikwe Israel zu einem Ort der Naturkunde unseres Landes, mit Sammlungen aus der Welt des Unbelebten sowie der Pflanzen- und Tierwelt.

Margolin mochte auch die Menschen und bemühte sich nach Kräften, den Bewohnern des Ortes kulturelle Bereicherung zu ermöglichen. Er organisierte und leitete „Oneg-Schabbat“-Feiern und gründete einen Kindergarten für die Kleinkinder der dort lebenden Familien.

Fotos dieser Geschichte: יהושע מרגולין
יהושע מרגולין | מתוך 'ארכיון החינוך היהודי בישראל ובגולה', אוסף שושנה ריקליס

Bei Lehrerkursen wurde ihm klar, wie viel Wissen über die Natur den Lehrern im Land noch fehlte, damit sie ihre Aufgabe angemessen erfüllen konnten. Zwar hatten sie Botanik und Zoologie anhand übersetzter oder im Original verfasster Lehrbücher und sogar anhand von Notizen gelernt, doch das Lernen aus Worten war keineswegs mit unmittelbarer Anschauung vergleichbar. Als Margolin daher seine Berufung darin erkannte, Wissen und Naturkenntnis in weiteren Kreisen zu verbreiten, gab er seine Arbeit in Mikwe Israel auf. Er begann als Wanderdozent für Naturkunde, der die Lehrer im Tal fortbildete, zu arbeiten und bereitete die Gründung eines biologisch-pädagogischen Instituts in Tel Aviv vor. Dort sollten Lehrer und Schüler aus dem ganzen Land ihr Wissen über die Natur nicht nur durch Hören und Lesen, sondern auch durch eigene Anschauung erweitern können.

1931 stellte ihm die Stadtverwaltung von Tel Aviv die öffentliche Baracke in der Jehuda-Halevi-Straße zur Verfügung, die bis dahin als Gebetshaus gedient hatte, und bewilligte ihm einen jährlichen Zuschuss von hundert Pfund. Dort gründete Margolin das Institut, das dem Zweck „Naturbildung und Verbreitung der Naturkenntnis unter Lehrern, Schülern und dem Volk“ dienen sollte. Hier entstand die erste Tierecke in Israel.

Während seiner Zeit in Tel Aviv schrieb Margolin Lehrbücher, doch am liebsten verfasste er kurze Texte und Geschichten für Kinder, in denen er die Natur und die Landschaft des Landes beschrieb. Seine Schriften zeichnen sich durch einen direkten und unbefangenen didaktischen Ansatz aus.

So schrieb er 1943 in der Zeitung für die Kinder der Kibbuzim: „Sicher kennen mich viele von euch, Kinder: Onkel Joschua, der in Tel Aviv in der Jehuda-Halevi-Straße 12 einen Zoo und ein Museum hat. Viele von euch haben diesen Zoo sicher schon einmal, vielleicht auch zweimal oder öfter besucht und mit eigenen Augen die Gazelle und den Steinbock, die Krokodile und die Wildschweine, die Pelikane und die anderen Tiere gesehen ... Ich möchte mit euch nicht über die Tiere in meinem Zoo sprechen, sondern über die Tiere in eurem Zoo. Und wenn ihr sagt: Gibt es denn in den Kibbuzim und Gruppen Zoos? Aber ja! Ist euer Obstgarten nur ein Garten voller Bäume? Er ist auch ein großer Zoo. Und ich verrate euch ein Geheimnis: Ich liebe eure Zoos mehr als meinen Zoo in Tel Aviv. Mein Zoo ist ein Gefängnis für Tiere ...“

Anschließend bringt er den Kindern etwas über die Vogelkunde bei: „... Geh allein, ohne Begleitung, hinaus, um die Vögel zu beobachten. Geh langsam und ruhig, halte die Augen offen und lausche aufmerksam. Such dir einen Platz zum Beobachten, setz dich ganz still hin, schau dich um und beobachte den Vogel, den du dir ausgesucht hast ... Jag nicht vielen Vögeln auf einmal nach, sondern such dir einen aus und beobachte ihn, bis du ihn gut kennst.“

Seine Gedichte und sein Erbe

Margolin schrieb auch Gedichte. Am bekanntesten ist „Wir sind Anemonen“, das von Menashe Rabina vertont wurde:

Wir sind Anemonen Wir sind alle Schwestern Rot, blau Weiß, violett. Die Erde ist unsere Mutter Die Sonne unser Vater Der Regen tränkt uns Der Tau erhält uns am Leben. Wir alle werden erblühen Uns freuen und fröhlich sein!

Fotos dieser Geschichte: יהושע מרגולין
המצבה ליד קבר מרגולין

Sein Leben lang ging Margolin einsam durchs Leben, ohne Familie und Angehörige. Doch alle Bewohner des Landes waren für ihn wie Geschwister und Kinder. Allen war er ein geliebter Onkel, „Onkel Joschua“.

Als die Kibbuzbewegung beschloss, ein Seminar zur Lehrerausbildung zu gründen, sah sie in Margolins Institut in Tel Aviv die Grundlage für das Seminar. Margolin war der Meinung, das Seminar solle im Jesreel- oder im Sebulontal entstehen. Tatsächlich ging sein Traum Jahre später in Erfüllung: Das Seminar „Oranim“ wurde gegründet - die pädagogische Hochschule der Kibbuzbewegung.

Wenige Wochen nach seinem 70. Geburtstag starb Margolin am 11.09.1947 in Tel Aviv. In seinem Testament bat er darum, auf dem „Friedhof von Tel-Alexander beerdigt zu werden, auf dem das Kibbuzseminar, das mir zeitlebens am Herzen lag, errichtet werden soll“. Auf seinem Grabstein wünschte er sich die Inschrift: „Meinen Hunger und Durst nach dem Boden des Landes Israel werde ich weder stillen noch löschen, bis ich zu ihm zurückkehre und in seinem Schoß die ewige Ruhe finde.“

Jahre später wurde unweit seines Grabes das Seminar „Oranim“ der Kibbuzbewegung errichtet. Auf dem Gelände des Seminars steht das „Margolin-Haus“ mit einer eindrucksvollen Sammlung ausgestopfter Tiere. In der Nähe des Grabes, am Westhang des Hügels, auf dem das Seminar liegt, wurde ein wundervoller botanischer Garten angelegt. Zwischen den vielen Bäumen und Blumen sind Gedichte israelischer und ausländischer Dichter zu finden.

Fotos dieser Geschichte: יהושע מרגולין
קבר מרגולין בסמינר אורנים