Er war Naturforscher, reiselustiger Abenteurer, politischer Kommentator und, wie manche sagen, sogar ein Mörder. Doch in Erinnerung bleibt er für immer als brillanter und schillernder Geheimdienstoffizier unter dem Kommando von General Edmund Allenby.

Fotos dieser Geschichte: ריצ'רד מיינרצהאגן

Richard Meinertzhagen wurde am 3. März 1878 in England geboren und verbrachte seine Kindheit in Hampshire. Wegen seines ungewöhnlichen Namens hänselten ihn seine Freunde und deuteten an, er sei ein deutscher Jude, obwohl seine Vorfahren aus Dänemark stammten. Dazu schrieb er: „Soweit ich den Dingen auf den Grund gehen kann, fließt kein jüdisches Blut in meinen Adern und hat es auch nie getan.“ Zu den Freunden der Familie zählten der Philosoph Herbert Spencer und der Evolutionsforscher Charles Darwin. Sie ermutigten Richard, sich der Erforschung der Natur zu widmen. Meinertzhagen wurde zu einem begeisterten Ornithologen und entdeckte sogar einen Vogel, der später nach ihm benannt wurde. Als er in die Kavallerie der Nationalgarde eintrat, wurde er nach Kenia geschickt. Dort entdeckte er im Kakamega-Wald einen Schädel und Hautstücke des Riesenwaldschweins (Hylochoerus meinertzhageni), das ebenfalls nach ihm benannt ist.

Die Täuschung der Türken in Eretz Israel

Seinen größten Ruhm erlangte Meinertzhagen im Ersten Weltkrieg. Damals beherrschten die Türken das Land Israel, und die Briten begannen in Ägypten, die Eroberung des Landes vorzubereiten. Unter dem Kommando von General Archibald Murray durchquerten die Briten die Sinai-Wüste, eroberten Rafah und bereiteten sich auf den Kampf um die Eroberung Gazas vor. In den ersten beiden Schlachten erlitten die Briten Niederlagen, woraufhin General Archibald Murray durch General Edmund Allenby ersetzt wurde.

1917 wurde Meinertzhagen nach Ägypten geschickt, um die Geheimdienstabteilung von General Allenby zu übernehmen. Zwei Tage nachdem sein Schiff nach Ägypten ausgelaufen war, wurde es von einem feindlichen Torpedo getroffen. Meinertzhagen und seine Kameraden sprangen von dem beschädigten Schiff und trieben etwa fünf Stunden im Meer, bevor sie von einem japanischen Zerstörer aufgenommen wurden. Nach seiner Ankunft in Kairo übernahm er die Verantwortung für den Feldnachrichtendienst und wurde damit beauftragt, die Aufklärung an der Front im Raum Deir al-Balah im nördlichen Sinai zu koordinieren. Allenby plante damals seinen dritten Angriff auf Gaza.

Meinertzhagen ersann einen Täuschungsplan. Auf seinen Vorschlag hin wurde eine Dokumentenmappe zusammengestellt, die er nahe der Frontlinie „verlieren“ sollte (bei der Festung Patish, östlich des heutigen Ofakim). Die Türken, die die Mappe finden würden, sollten daraus schließen, dass die Briten einen dritten Feldzug gegen Gaza vorbereiteten, obwohl Allenby in Wirklichkeit seine Feinde in Beerscheba angreifen wollte. „In letzter Zeit habe ich ein fingiertes Notizbuch eines Stabsoffiziers vorbereitet, das allerlei Unsinn über unsere Pläne und Schwierigkeiten enthält“, schrieb er damals in sein Tagebuch. „Heute brachte ich es in das Gelände nordwestlich von Beerscheba, um es dem Feind in die Hände fallen zu lassen, ohne Verdacht zu erregen. Nachdem ich den Wadi Gaza durchquert hatte, ritt ich nordwestwärts in Richtung Scharia. Ich ritt flott, und bei Gerar traf ich auf eine türkische Patrouille, die sofort die Verfolgung aufnahm. Ich floh etwa eine Meile zurück, dann ließen sie von mir ab, und so hielt ich an. Ich stieg vom Pferd und schoss aus etwa 600 Yards Entfernung auf sie. Das brachte sie gehörig auf, und sie nahmen sofort die Verfolgung wieder auf, wobei sie unentwegt auf mich schossen, ohne mich zu treffen. Das war meine Chance. Während ich mich bemühte, wieder aufs Pferd zu steigen, ließ ich meinen Rucksack, mein Fernglas und meine Feldflasche fallen und tat überhaupt alles, um sie glauben zu machen, ich sei getroffen und um mein Leben geflohen. Inzwischen waren sie nahe genug herangekommen, und ich machte mich davon, wobei ich den Rucksack fallen ließ, in dem sich das Notizbuch, verschiedene Karten, mein Mittagessen und anderes befanden. Ich sah, wie einer von ihnen anhielt und den Rucksack und das Gewehr aufhob. Bald war ich ihnen entkommen und sehr zufrieden mit meiner Tat und dem Erfolg meiner Täuschung. Wenn sie sich nur nach dem richten, was im Notizbuch steht, werden wir Großes vollbringen.“

Außer Allenby und drei weiteren Offizieren wusste niemand von der Täuschung. Gleich nach seiner Rückkehr zum Stützpunkt meldete sich Meinertzhagen beim Hauptquartier der Desert Mounted Brigade, berichtete von den verlorenen Gegenständen und bat darum, eine Patrouille loszuschicken, um den verlorenen Rucksack zurückzuholen. „Als ich zum Hauptquartier zurückkehrte“, erzählte er heiter, „meldete ich mich bei Allenby. Er berichtete mir, dass er eine wütende Nachricht von der Desert Mounted Brigade erhalten habe. Darin wurde er gebeten, solche ‚jungen und unerfahrenen Offiziere nicht auf Patrouillen zu schicken‘, und mir wurde vorgeworfen, durch meine Nachlässigkeit und Dummheit unermesslichen Schaden angerichtet zu haben.“

Fotos dieser Geschichte: ריצ'רד מיינרצהאגן
מצודת פטיש – הבית הטורקי בפארק אופקיםצילום: Bukvoed, CC BY 3.0, ויקישיתוף

Die Türken tappten in die Falle. Sie änderten ihre Aufstellung, verstärkten den Abschnitt bei Gaza und schwächten die Verteidigung ihres Ostflügels. Deshalb waren sie am 31. Oktober 1917 völlig überrascht, als Allenbys Truppen ausgerechnet Beerscheba angriffen, die Stadt eroberten und auf Gaza vorrückten, das schließlich ebenfalls eingenommen wurde. Unter den in Gaza erbeuteten Dokumenten befand sich auch ein Bericht, unterzeichnet vom türkischen Oberst Ali Fuad. Darin hieß es: „Unsere Patrouille erbeutete am 10. Oktober Karten und Dokumente, die ein hochrangiger Offizier der britischen Armee zurückgelassen hatte. Dieses wichtige Material ermöglicht es uns, alle Pläne des Feindes im Raum Gaza zu erkennen und Verstärkung herbeizurufen, um den englischen Angreifer zu vernichten.“

Ab Juli 1917 begann Meinertzhagen, seine nächste Idee auszuarbeiten: „Die türkische Armee, die Gaza hält, soll ihrer Schlagkraft beraubt und betäubt werden, wenn wir zum Angriff übergehen.“ Ab August flogen britische Flugzeuge bei Sonnenuntergang regelmäßig über die türkischen Linien und warfen kleine Zigarettenpäckchen ab, in denen sich etwas Propagandamaterial befand. Nach einigen Tagen hatten sich die Türken an ihre Zigaretten gewöhnt. Sobald die Flugzeuge verschwunden waren, verließen die Soldaten ihre Schützengräben und sammelten die Päckchen ein. Das ging bis zum 5. November so. An diesem Tag wurden Tausende Päckchen abgeworfen, und jede Zigarette war mit einer besonders großzügigen Menge Opium getränkt. „Das Ergebnis war“, schrieb Meinertzhagen in sein Tagebuch, „dass am 6. November ein großer Teil der türkischen Armee in Scharia und Gaza schläfrig und benommen war. Einige der Gefangenen, die gemacht wurden, konnten kaum sprechen und waren keineswegs in der Lage, Widerstand zu leisten.“

Allenby selbst schätzte Meinertzhagens Beitrag zu seinen Siegen sehr. In einem Gutachten aus dem Jahr 1917 schrieb er über seinen Geheimdienstoffizier: „Dieser Offizier ist in hohem Maße für meine Erfolge in Palästina verantwortlich.“

Die Identifikation mit dem Zionismus

1910, genau an seinem 32. Geburtstag, besuchte Meinertzhagen Odessa. Dort wurde er Zeuge eines Pogroms, das einen unauslöschlichen Eindruck bei ihm hinterließ und ihn noch enger mit der Idee verband, in Palästina eine nationale Heimstätte für die Juden zu errichten. Dazu schrieb er: „Ich war unvorstellbar erschüttert ... Nie hätte ich geglaubt, dass sich Menschen schlimmer verhalten könnten als die wildesten und grausamsten Tiere ... Ich wurde Zeuge eines Pogroms in den Straßen von Odessa ... Diese schrecklichen Taten haben mich bis ins Innerste erschüttert, und ich habe beschlossen, den Juden jederzeit und überall, wo ich kann, nach besten Kräften zu helfen. In der englischen Sprache gibt es kein Wort, um ein solch abscheuliches und bestialisches Verhalten zu beschreiben.“

Als Meinertzhagen nach Ägypten kam, arbeitete er zum ersten Mal in seinem Leben eng mit Juden zusammen. Es waren Aaron Aaronsohn und seine Mitstreiter aus der Untergrundorganisation NILI: „...Schon bald erkannte ich ihre Intelligenz und ihren Mut ... Sie waren alle in hervorragender körperlicher Verfassung und, zu meinem großen Erstaunen, blond und blauäugig. Sie arbeiteten als Team, und ihr Anführer war Aaron Aaronsohn. Dieser außergewöhnliche Mann war der kühnste und bescheidenste Agent.“

Chaim Weizmann, der zu seinen engsten Freunden zählte, schätzte er ganz besonders: „Selten habe ich jemanden mehr bewundert ... Nie habe ich eine solche Hingabe an ein Ziel, eine solche Entschlossenheit und einen so reichen Intellekt in einer einzigen Seele vereint gesehen. Selten war ein Mann, der sich mit so großen Ideen beschäftigte, so aufrichtig und ehrlich.“

Fotos dieser Geschichte: ריצ'רד מיינרצהאגן
הארכיון הציוני

1919 schlug Meinertzhagen dem damaligen britischen Premierminister David Lloyd George vor, in Palästina einen souveränen jüdischen Staat zu gründen. Er veröffentlichte ein Buch mit dem Titel „Nahost-Tagebuch“, in dem er die Grenzen des jüdischen Staates vorschlug. Dessen Gebiet sollte die Golanhöhen, einen Teil des Ostjordanlands und den größten Teil der Sinai-Halbinsel umfassen.

1925 verließ Richard Meinertzhagen die Armee, nachdem er mehrere Ämter bei Lord Balfour bekleidet hatte. Seine tief verwurzelte Wanderlust ließ nicht nach, und er begann, durch die Länder Asiens zu reisen, um Vögel für seine Tiersammlung zu sammeln. 1928 kam seine Frau bei einem ungeklärten Schießunfall ums Leben. Manche behaupteten sogar, er habe sie ermordet.

In den dreißiger Jahren setzte er zunächst gewisse Hoffnungen in den Aufstieg Hitlers, doch schon bald gab er diese auf. Kurz vor Kriegsausbruch betrat er mit einer Pistole bewaffnet Hitlers Büro. Er schoss nicht auf ihn, doch später quälte ihn der Gedanke, ob er den Krieg hätte verhindern können, wenn er ihn getötet hätte. Als Hitler ihn mit erhobenem Arm und einem „Heil Hitler“ begrüßte, erwiderte der amüsierte Meinertzhagen: „Heil Meinertzhagen.“ Niemand lachte ... Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er erneut in die Armee einberufen, doch während des Rückzugs aus Dünkirchen wurde er verwundet und blieb bis zum Ende der Kämpfe zu Hause.

Am 23. April 1948, im Alter von 70 Jahren, reiste Meinertzhagen in den Urlaub und kam mit dem Schiff in Haifa an. An diesem Tag fanden in der Stadt die entscheidenden Kämpfe zwischen Juden und Arabern statt. Meinertzhagen sah, wie die Briten eine Kompanie Soldaten vom Schiff riefen, um die britischen Vorräte im Hafen zu schützen. Von einem der Soldaten besorgte er sich eine Uniform, ein Gewehr und 200 Patronen, ging an Land und schloss sich den Haganah-Kräften an. Dabei traf er die arabischen Kämpfer mit bemerkenswerter Treffsicherheit. Die Haganah-Kämpfer wussten nicht genau, wer der alte Mann war, der an ihrer Seite kämpfte, doch seine Leistungen ließen keinen Zweifel an seinen Fähigkeiten und Absichten. Als ihm die Munition ausging, wurde Meinertzhagen von einem britischen Offizier entdeckt und zurück zum Schiff gebracht. „Ich ging an Bord, gab meinem Freund meine Uniform zurück, reinigte sein Gewehr und bestellte dann eine große Flasche Champagner, die wir gemeinsam in seiner Kabine tranken. Alles in allem hatte ich einen großartigen Tag.“

Richard Meinertzhagen lebte lange genug, um nicht nur die Gründung des Staates Israel, sondern auch seinen Sieg im Sechstagekrieg mitzuerleben. Am 17. Juni 1967 starb er.