Die ebenso erstaunliche wie sonderbare Geschichte einer kleinen Gemeinschaft in einem abgelegenen italienischen Ort, die an einem hellen Morgen beschloss, zum Judentum überzutreten und ins Land Israel auszuwandern, angeführt von ihrem „Propheten“.
Im März 1948 starb Donato Manduzio und wurde als Jude unter dem Namen Levi Manduzio begraben. Er wurde auf dem Friedhof von San Nicandro beigesetzt, nicht weit von seinen christlichen Nachbarn entfernt. Auf seinem Grabstein wurden anstelle eines Kreuzes zwei Davidsterne und folgende Worte eingemeißelt: „Donato ... lebte bis 1930 als Götzendiener. Doch ... durch eine göttliche Offenbarung wurde er von Gott Levi genannt ... und er verbreitete auf diesem dunklen Felsen die Einheit des Herrn und die Ruhe des Schabbats ...“

Die Geschichte von Donato Manduzio wurde durch ein Tagebuch bekannt, das er selbst verfasst hatte: „Auf diesen Seiten wird eine kurze und einfache Geschichte erzählt. Ihr werdet lesen, wie Licht aus der Finsternis aufging, ein Licht, das die Dunkelheit der Nacht zerstreute und die Schatten des Todes vertrieb. Und du, lieber Leser, lache nicht über meine armselige und unbeholfene Schreibweise, denn in meinem ganzen Leben saß ich keinen einzigen Tag auf der Bank eines Lehrhauses! Mein Lehrer und Meister war der Gott Abrahams, der unseren Vater Abraham vom Götzendienst befreite und ihm den Weg ins Land Kanaan wies.“ (Aus dem Tagebuch von Donato Manduzio, Von der Kirche zur Synagoge.)
Der Aufstand bei der Firmung
Die Geschichte begann im Sommer 1892, bei der Firmung, einer Feier, bei der ein Christ die Taufgelübde bestätigt, die in seinem Namen während seiner Kindheit abgelegt wurden. Bei dieser Zeremonie wird der Christ als mündiges Mitglied in die Gemeinde aufgenommen, ähnlich einer Bar Mizwa. An diesem Tag war die kleine Kirche von San Nicandro bis auf den letzten Platz mit Dorfbewohnern gefüllt, die sich drängten und dem bewegenden Augenblick entgegenfieberten. Der älteste Sohn eines Weinhändlers sollte sich dem Christentum verpflichten. Der Dorfpfarrer Don Giuseppe betrat den Saal und schritt würdevoll die fünf Stufen hinunter, junge Geistliche an seiner Seite. Vor ihm stand der Junge, Donato Manduzio. Wäre die Zeremonie wie vorgesehen verlaufen, hätte Donato, der bereits 1885 getauft worden war, dem Priester als Zeichen des Gehorsams und der Unterwerfung die Hand geküsst und um die Gnade der Kirche gebeten. Doch so kam es nicht. Donato blieb wie erstarrt stehen und zeigte dem Priester gegenüber deutlich seine Abneigung. Die sonderbare, spannungsgeladene Szene löste sich plötzlich in schallendem Gelächter auf. Der Priester bebte vor Wut und Scham und brach das Schweigen mit einem gellenden Schrei: „Aus ihm wird noch ein Verbrecher! Verschwinde, damit ich dich nie wieder sehen muss, denn der Teufel wohnt in dir!“ Der Vorfall sprach sich in der Gegend herum, und über Nacht wurde das kleine Dorf berühmt, sein Name war in aller Munde. Sein Vater, dessen Sohn ihm ewige Schande bereitet hatte, sperrte ihn zwei Wochen lang in den Stall. Dem jungen Donato war klar, dass er nun nicht nur keinen Platz mehr in der Gemeinde hatte, sondern ihr gegenüberstand und ihr sogar zur Last geworden war. Donato wurde zum Schläger des Dorfes.

Der Erste Weltkrieg bot Donato, dem Schläger, die Gelegenheit, das abgelegene Dorf zu verlassen und vielleicht sogar als Held dorthin zurückzukehren. 1918, drei Jahre nach seiner Einberufung, wurde er am Bein verwundet und lag ein Jahr lang in einem Militärkrankenhaus in Pisa. Mithilfe eines anderen Verwundeten, der neben ihm lag, lernte er lesen und schreiben. Für Manduzio, der nie auf einer Schulbank gesessen hatte, war das eine Offenbarung. Von dem Moment an, als er lesen konnte, hörte er nicht mehr damit auf. Zunächst las er einfache Romane und Zeitungen. 1919 kehrte er in sein Dorf San Nicandro zurück, und sein Zuhause wurde zu einem lebendigen geistigen Zentrum. Wegen seiner Verletzung, die ihn behindert zurückließ, konnte er keine körperliche Arbeit mehr verrichten. Er lebte von einer Invaliditätsrente und der Unterstützung der Familie seiner Frau. Aus Donato, dem Schläger, wurde ein Gelehrter, und viele strömten herbei, um die Meinung des Gebildeten zu hören. So entstand um ihn eine Gemeinde von Anhängern. 1930 träumte Manduzio, er stehe allein auf einem dunklen Feld. Plötzlich erschien ein alter Mann vor ihm, mit einer Kerze in der Hand. „Halte die Kerze hoch und verbreite mein Licht“, sagte der Alte zu ihm. Manduzio erwachte erschüttert und zugleich erleuchtet. Er sah darin eine Berufung. Zwei Tage später brachte ihm sein Nachbar Pino, der Wirt, ein verlassenes Buch, das ein Gast als Bezahlung für seine Übernachtung zurückgelassen hatte. „Dieses Buch ist vielleicht nur wegen seines Einbands etwas wert“, sagte Pino. Doch als Manduzio es aufschlug, stellte er fest, dass es eine Bibel in italienischer Übersetzung war.
Der Traum und das erste Buch
Drei Tage und Nächte lang las Manduzio das Buch voller Eifer. Seine verängstigte Frau dachte, ein böser Geist habe von ihm Besitz ergriffen. Der Priester wurde ins Haus gerufen und sagte: „Lasst ihn. Wenn er das Buch zu Ende gelesen hat, wird es vorübergehen.“ Doch es ging nicht vorüber. In der Bibel fand Manduzio eine andere Wahrheit als die, die er aus der Kirche kannte. Anstelle der Heiligenverehrung gab es das Verbot von Götzenbildern. Anstelle des Sonntags war der heilige Tag der Schabbat, und Prosciutto durfte nicht gegessen werden. So entstand im Dorf eine Gemeinde, die begann, den Schabbat zu halten und kein Schweinefleisch mehr zu essen. Das tat ihrer Gesundheit offenbar auf wundersame Weise gut und senkte ihren Cholesterinspiegel. „Es wirkt, Donato hat recht“, sagten die Leute. Vor allem aber verstanden die Gläubigen, dass die Botschaft nicht von Askese und Leiden handelte, sondern von einem Leben in Heiligkeit, mit Sinn und Licht. Manduzio, der glaubte, die Wahrheit liege im Judentum und nicht im Christentum, in das er hineingeboren worden war, begann, die Botschaft zu verbreiten. In seinem Tagebuch vermerkt Manduzio das genaue Datum, an dem er die jüdische Gemeinde von San Nicandro gründete: die Nacht vom 10. auf den 11. August 1930, als er 45 Jahre alt war.
Am Schabbatabend kamen Manduzio und seine Freunde in seinem Haus zusammen, lasen aus der Tora, studierten die Mischna und sangen Pijjutim, die er selbst verfasst hatte. Manduzio legte nach seinem eigenen Verständnis einen jüdischen Kalender fest und feierte Pessach so, wie er es aus den Schriften verstand. Er und seine Anhänger waren überzeugt, dass sie zu jener Zeit die einzigen Juden auf der Welt waren und das Judentum gewissermaßen wieder zum Leben erweckten. So teilte sich die Dorfgemeinschaft in Katholiken und die neue jüdische Gemeinde, die bereits 80 Mitglieder zählte.
Eines Tages, an einem stillen Abend, kam ein wandernder Händler durch das Dorf und sah, dass in einem Haus Licht brannte, während die übrigen Häuser in Dunkelheit lagen. Er klopfte an die Tür und fand drinnen eine kleine Gruppe, die um eine Bibel saß. „Was macht ihr da?“, fragte er. „Seid ihr Evangelikale, protestantische Christen?“ „Nein, wir sind das Volk Gottes“ (Noi siamo il popolo di Dio). „Wir halten die Tora ... denn wir sind die letzten Juden.“ Er brach in Gelächter aus: „Juden? In Rom, Mailand und Florenz gibt es überall Juden!“
Manduzio war verblüfft. Eilig schrieb er einen Brief an den Oberrabbiner von Rom: „Ich habe meine verlorenen Brüder gefunden.“ Doch der Brief blieb unbeantwortet. Auch ein zweiter Brief erhielt keine Antwort. Erst nach dem dritten erklärte sich Rabbi Angelo Sacerdoti, der Rabbiner von Rom, der überzeugt war, man wolle sich einen Scherz mit ihm erlauben, bereit, einen Abgesandten zu schicken, um herauszufinden, wer die „Judaisierer“ in dem kleinen abgelegenen italienischen Dorf waren. Der Abgesandte kehrte bewegt nach Rom zurück: Sie hielten den Schabbat und die Kaschrut, feierten die Feiertage und lasen voller Glauben in der Bibel. Der Rabbiner schickte ihnen Gebetbücher, Tallitot und Bücher. Manduzio hielt seinen katholischen Brüdern entgegen: „Seht, die Juden geben uns Dinge, im Gegensatz zur Kirche, die uns Dinge nimmt.“ Die Dorfbewohner baten darum, ordnungsgemäß zum Judentum überzutreten und sich der weltweiten jüdischen Gemeinde anzuschließen. Doch der Rabbiner erklärte: „Es ist eine gefährliche Zeit, um sich dem jüdischen Volk anzuschließen.“
Die neue Gemeinde und die Annäherung ans Judentum
Obwohl die faschistische Regierung in Italien bereits 1922 an die Macht gekommen war, gehörte Antisemitismus nicht offiziell zum politischen Programm von Mussolinis Partei. Hinter den Kulissen vertraten faschistische Führer, darunter Mussolini selbst, antisemitische Ansichten und bereiteten den Boden dafür, die Juden aus der Gesellschaft zu verdrängen. Die Annäherung an Deutschland und die Schaffung der „Achse Rom-Berlin“ beschleunigten diesen Prozess, und ab 1935 drang antisemitische Propaganda zunehmend in die Presse ein.
1938 begann Italien, eine Reihe antijüdischer Gesetze umzusetzen, die alle Lebensbereiche beeinträchtigten. Im Februar 1940 erklärte Mussolini, Italien werde sich innerhalb von fünf Jahren aller seiner Juden entledigen. Im Juni 1940 trat Italien in den Krieg ein, und Juden, die das Land noch nicht verlassen hatten, wurden verhaftet und in Lager gesperrt. Nach der Absetzung Mussolinis durch seine Gegner im Juli 1943 übernahm Nazideutschland nach und nach die Kontrolle über das Land.
Mussolini kehrte an die Macht zurück und errichtete unter deutschem Schutz ein radikales faschistisches Regime. Unter dieser Herrschaft und mit Unterstützung italienischer faschistischer Milizen begann die Deportation der Juden nach Auschwitz. Die erste Deportationswelle begann im Oktober 1943 und wurde von deutschen Truppen durchgeführt. Doch bereits im November begannen italienische Milizen, Juden zu verhaften, sie den Deutschen zu übergeben und ihr Eigentum zu beschlagnahmen.
Als die Deutschen Italien besetzten, kamen vier Militärmotorräder ins Dorf und hielten vor dem Gasthaus von San Nicandro. Ein deutscher SS-Offizier und ein italienischer Offizier betraten das Gasthaus, während sich die übrigen Soldaten ringsum aufstellten, bereit zum Eingreifen. „Wo sind die Juden hin?“, brüllte der Offizier. „Juden?“, wiederholten die Anwesenden verblüfft. „Hier gibt es keine Juden. Sie sind alle fort.“ Der Offizier begriff sofort, dass man ihn anlog, und drohte, den Ort in die Luft zu sprengen. Für einen Moment herrschte Stille. Jeder suchte im Gesicht des anderen nach einem Hinweis auf Verrat, Angst oder Schwäche, doch niemand war bereit, jemanden auszuliefern. Der Offizier versuchte es auf andere Weise. „Wenn ihr keine Juden versteckt, habt ihr sicher nichts dagegen, dass wir eine Durchsuchung vornehmen?“ „Natürlich!“, antworteten alle. „Nichts hassen wir mehr als dieses Judenpack“, sagte jemand und schluckte. Der Offizier beruhigte sich. Dann schlug einer der Männer in freundschaftlichem Ton vor: „Vor der Durchsuchung ein Gläschen auf die Partei?“ Sofort wurde eine Flasche gebracht. Der Offizier trank und zwinkerte: „Heil Hitler!“ Die Italiener riefen ihm zu: „Viva!“ So gingen die Gläser herum, und der Versuch, die Juden des Dorfes zu deportieren, wurde vereitelt.
Gerade in den schweren Momenten zeigte sich der Edelmut der Christen im Dorf. Unter der Führung des Priesters zögerten sie nicht, sich gemeinsam dem Bösen entgegenzustellen. Sie ließen nicht zu, dass die Nazis ihre jüdischen Brüder aus dem Dorf deportierten. Wie eine menschliche Mauer stellten sie sich schützend vor ihre Nachbarn, die allein wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Dank ihnen entgingen Manduzio und seine Gemeinde dem grausamen Schicksal, das ihnen bevorstand. An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich auch an mehreren anderen Orten in Italien Menschen für die Juden einsetzten. Dafür wurden ganze Gemeinden als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Eine der bekanntesten war die Gemeinde der Stadt Assisi.
Die deutsche Besatzung und die Rettung
Italien wurde zum Schlachtfeld zwischen den Alliierten und Deutschland. Anfang September fielen britische und kanadische Truppen in Italien ein und landeten in Kalabrien und anderen Gebieten Süditaliens. Die Landung sollte die Deutschen ablenken; das eigentliche Ziel der Alliierten war Rom.
Unter den gelandeten Truppen befanden sich einige jüdische Bataillone. Die Jüdische Brigade wurde erst 1944 gegründet. Zwei der bekanntesten Soldaten in den Bataillonen waren Enzo Sereni, der in Rom geboren wurde, und Pinchas Lapide, ein gebürtiger Österreicher. Als die beiden in einem Jeep durch die Dörfer Süditaliens fuhren, konnten sie ihren Augen kaum trauen: Die Bewohner des kleinen Dorfes schwenkten eine blau-weiße Flagge mit einem Davidstern in der Mitte. Eine jüdische Gemeinde in einem kleinen, abgelegenen Dorf in dieser Gegend? Das schien unmöglich, und sie vermuteten sogar, dass es sich um einen Hinterhalt handelte. Lapide beschloss, der Sache nachzugehen, und hielt den Jeep auf dem Dorfplatz an. Binnen weniger Augenblicke versammelten sich Dutzende Neugierige um ihn. Er hatte noch nicht einmal begriffen, wo er gelandet war, da trat schon ein Junge auf ihn zu und sagte in einfachem Hebräisch: „Shalom.“ Bevor er die Überraschung verarbeiten konnte, hatten sich immer mehr Dorfbewohner um ihn geschart. Gemeinsam mit dem Jungen ging er entschlossen zum Haus des Rabbiners Manduzio. Der Zug hinter ihnen wurde immer länger, und viele drängten sich in das kleine Haus. Diejenigen, die draußen geblieben waren, versuchten, dem Gespräch zwischen dem Rabbiner und Pinchas Lapide zu lauschen.
Lapide gegenüber saß ein älterer Mann mit blassem Gesicht und leuchtenden Augen. Er sprach den Segensspruch „Schehechejanu“ und bat auf Italienisch, Lapide solle näher kommen, damit er ihn besser betrachten könne. Manduzio nahm Lapides Hände und drückte sie fest, als wolle er prüfen, ob vor ihm wirklich ein lebender Mensch stand. Mit zitternder Stimme fragte er ihn, ob er aus Jerusalem komme. Lapide lächelte sanft und sagte, er sei lediglich aus einer kleinen Ortschaft gekommen. Ein leiser Seufzer der Enttäuschung war zu hören. „Ich lebe irgendwo zwischen Dan und Beerscheba“, fügte er hinzu. Die Menge wiederholte leise, beinahe ehrfürchtig: „Von Dan bis Beerscheba ...“ Zum ersten Mal begegneten sie einem Juden aus dem Land Israel. Sie waren überwältigt und wollten mehr über jene Juden hören, die gerade als Soldaten aufgetaucht waren. Pinchas Lapide setzte sich und erzählte ihnen vom Leben im Land Israel, davon, was die Menschen dort tun, und dass es auch dort Bauern wie sie gebe. Sie hörten mit offenem Mund zu, und die Frauen wischten sich die Tränen ab. Als es dunkel wurde, entschuldigte er sich und sagte, er müsse zu seiner Einheit zurückkehren. Bescheiden fügte er hinzu: „Ich bin kein Gesandter Gottes, nur ein weiterer Pionier im Land Israel.“ Für sie aber war er die Erfüllung eines Traums. Erst als er versprach, wiederzukommen, ließ Manduzio ihn gehen. Das berühmte Foto von Pinchas Lapide und Enzo Sereni mit den Juden der Gemeinde von San Nicandro ist erhalten. Später schloss sich Enzo Sereni den Fallschirmjägern an und sprang mit ihnen ab. Er wurde von den Nazis im Lager Dachau hingerichtet. Nach ihm ist der Kibbuz Netzer Sereni benannt. Pinchas Lapide wurde später israelischer Konsul in Mailand und verfasste rund 35 Bücher, darunter eines über Manduzio mit dem Titel „Der Prophet von San Nicandro“.
Nach dem Krieg: das Erbe der Gemeinde
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, im August 1946, traten 74 Mitglieder der Gemeinde zum Judentum über. Ob Manduzio selbst ordnungsgemäß konvertierte, ist fraglich, denn seine Gesundheit hatte sich verschlechtert und er unterzog sich nicht der Beschneidung.
Im März 1948, zwei Monate vor der Gründung des Staates Israel, starb Donato Manduzio. Die Mitglieder seiner Gemeinde begruben ihn als Juden unter dem Namen Levi Manduzio. Er wurde auf dem Friedhof von San Nicandro beigesetzt, nicht weit von seinen christlichen Nachbarn entfernt. Auf seinem Grabstein wurden anstelle eines Kreuzes zwei Davidsterne und folgende Worte eingemeißelt: „Donato ... lebte bis 1930 als Götzendiener. Doch ... durch eine göttliche Offenbarung wurde er von Gott Levi genannt ... und er verbreitete auf diesem dunklen Felsen die Einheit des Herrn und die Ruhe des Schabbats ...“
Manduzio hinterließ ein Tagebuch in dichter Handschrift. Auf mehr als 400 Seiten schilderte er seine Visionen, seinen Weg, seine Schmerzen und seinen geistigen Kampf. Zu Beginn schrieb er: „Auf diesen Seiten wird eine kurze und einfache Geschichte erzählt. Ihr werdet lesen, wie Licht aus der Finsternis aufging, ein Licht, das die Dunkelheit der Nacht zerstreute und die Schatten des Todes vertrieb. Und du, lieber Leser, lache nicht über meine armselige und unbeholfene Schreibweise, denn in meinem ganzen Leben saß ich keinen einzigen Tag auf der Bank eines Lehrhauses. Mein Lehrer und Meister war der Gott Abrahams, der unseren Vater Abraham vom Götzendienst befreite und ihm den Weg ins Land Kanaan wies.“
Mit Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges kamen im August 1948 unter den Tausenden von Kämpfern, die ins Land Israel einwanderten, um am Krieg teilzunehmen, auch fünf junge Männer aus dem Dorf San Nicandro an. Die neu eingezogenen Männer wurden sofort an die Front geschickt und bewiesen großen Mut. Auch ihre Vorgesetzten lobten sie oft für ihre Tapferkeit. Das „Problem“ mit diesen jungen Männern, sagte ihr Kommandeur, sei, dass sie sich weigerten, am Schabbat irgendeine Arbeit zu verrichten, nicht einmal Vorbereitungen für den Kampf.
Ein Jahr nach der Gründung des Staates wanderten die übrigen Mitglieder der Gemeinde mit dem Schiff „Galil“ ins Land Israel ein. Vom Hafen von Haifa fuhren sie sofort nach Obergaliläa, um das Land zu besiedeln. Ihr wichtigstes Gepäck waren Säcke mit Saatgut und Bündel von Setzlingen. Außerdem brachten sie ein Schaf mit, das als Opfer für das bevorstehende Pessachfest dienen sollte. Die Jewish Agency schickte sie in das verlassene Dorf Ras al-Ahmar. Dort gründeten sie zusammen mit Einwanderern aus Libyen, von denen einige Italienisch sprachen, die Moschawim Kerem Ben Zimra und Alma. Zu ihrer großen Überraschung stellten sie fest, dass manche Juden im Land den Schabbat nicht hielten. Die Einwanderer aus Libyen wussten nicht so recht, wie sie sie aufnehmen sollten, denn bekanntlich gibt es dort, wo es zwei Gemeinden gibt, vier Synagogen, und nun waren die Neuankömmlinge auch noch Konvertiten ... Doch im Laufe der Jahre gingen die beiden Gemeinden ineinander auf.
Im Dorf San Nicandro blieb eine kleine Gemeinschaft jüdischer Frauen zurück, die den Schabbat halten, obwohl sie mit Katholiken verheiratet sind. Die Söhne bleiben katholisch; manche von ihnen treten zum Judentum über. Die Töchter übernehmen die Religion ihrer Mutter und gelten daher als Jüdinnen. Heute leben in San Nicandro etwa vierzig jüdische Frauen.





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