Sie wurde in eine Adelsfamilie hineingeboren und war eine fromme russisch-orthodoxe Christin. Sie beherrschte die hebräische Sprache nicht und konnte deshalb die Werke ihres berühmten Mannes nicht genießen.

Fotos dieser Geschichte: מלאניה קרלובנה
שאול טשרניחובסקי, מלניה ובני המשפחהגנזים - אגודת הסופרים

Melania Karlowna wurde 1879 in Grodno (damals im zaristischen Russland, heute in Belarus) in eine Adelsfamilie hineingeboren. Ihre Wurzeln waren vielfältig - polnisch, deutsch und ukrainisch - und ihre Familie brachte zahlreiche hohe Beamte hervor. Einer ihrer Verwandten war Oberstallmeister von Zar Nikolaus II.; unter ihren weiteren Verwandten fanden sich Offiziere und hochrangige Militärs.

Ihre Beherrschung der deutschen Sprache neben weiteren Sprachen war vermutlich der Grund für ihr Studium an der Universität Heidelberg. Außerdem wollte sie den Russen entkommen, die sie verfolgten, weil sie Anarchistin war und bereits im zaristischen Gefängnis gesessen hatte.

In Deutschland lernte sie einen jüdischen Medizinstudenten kennen. Sie verliebten sich und heirateten; dort kam ihre Tochter Isolde zur Welt. 1931 wanderte die Familie nach Palästina aus und ließ sich in einer bescheidenen Wohnung in Tel Aviv nieder. Der bekannte, erfahrene Arzt verlor wegen seiner Heirat mit einer Christin die Stelle als Koloniearzt von Rechovot.

Melania fiel es schwer, sich mit der zionistischen Idee anzufreunden. Ihre religiöse Bindung wurde stärker, und einige Jahre später bat sie darum, sich in einem Kloster in Jerusalem zurückziehen zu dürfen. Schließlich zog sie mit ihrer Tochter in das Haus des griechischen Patriarchen, in der Nähe des San-Simon-Klosters in Jerusalem. Ihr Mann, der Arzt, blieb in Tel Aviv wohnen und fuhr am Wochenende nach Jerusalem, um sie zu besuchen. Später wurde der Arzt krank und schwächer. Als sich herausstellte, dass er an Leukämie erkrankt war, zog er zu seiner Frau und seiner Tochter in das Haus des griechischen Patriarchen in Jerusalem.

Der Kampf um Melania Karlownas Konversion

Jahrelang versuchten verschiedene Rabbiner, den Arzt dazu zu bewegen, die Konversion seiner Frau zu veranlassen. Zu ihnen gehörten Rabbiner Herzog, der Oberrabbiner Israels, und Rabbiner Shlomo Goren. Doch alle ihre Bitten wurden abgewiesen. Die Antwort des Arztes war eindeutig: Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch, ganz gleich, ob er jüdisch, christlich oder muslimisch ist.

Fotos dieser Geschichte: מלאניה קרלובנה
בית הפטריארך היווני בקטמון, סמוך למנזר סן סימוןצילום: ד"ר אבישי טייכר, CC BY 2.5, אתר פיקיוויקי

Eines der bewegendsten israelischen Lieder, das von diesem jüdischen Arzt, dem Mann der Christin Melania, geschrieben wurde, gehört zum unvergänglichen Kulturgut Israels:

Lache, lache über die Träume,

so spreche ich, der Träumer.

Lache, denn ich glaube an den Menschen,

denn noch immer glaube ich an dich.

Denn noch immer sehnt sich meine Seele nach Freiheit,

ich habe sie nicht für ein goldenes Kalb verkauft,

denn noch immer glaube ich auch an den Menschen,

auch an seinen Geist, einen starken Geist.

Ja, unser Arzt ist der Dichter Saul Tschernichowski, dessen Porträt den 50-Schekel-Schein ziert. Als die Bank von Israel entschied, welche Persönlichkeiten auf den Banknoten erscheinen sollten, und die Regierung dies genehmigt hatte, äußerte Dr. Hagai Ben-Arzi seine Vorbehalte gegen das Porträt des Dichters, der mit einer Nichtjüdin verheiratet war. Er schrieb:

"Und ich schreie auf: Wie konnte diese Schandtat in Israel geschehen? Wie konnte deine Hand ruhig bleiben, Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident Israels, als du dieser schrecklichen und erschütternden Empfehlung zustimmtest? ... Jetzt, da diese Abscheulichkeit geschehen ist, bleibt uns nur, konkret dagegen vorzugehen. Jeder und jede von uns kann sich weigern, Tschernichowski-Scheine anzunehmen."

Saul Tschernichowski starb im Alter von 68 Jahren an Krebs, im Haus des griechischen Patriarchen, dem Wohnort seiner Frau und seiner Tochter. Seine letzten Worte brachten seine Sorge um sein Ansehen angesichts seiner Heirat mit einer Christin zum Ausdruck: "So sterben, in einem Kloster!"

Man befürchtete, die Jerusalemer würden sich weigern, ihn als Juden zu bestatten. Deshalb wurde sein Leichnam heimlich aus dem Haus des Patriarchen gebracht und nach Tel Aviv geschmuggelt, wo er auf dem Friedhof in der Trumpeldor-Straße begraben wurde.

Seine Tochter Isolde konvertierte zum Judentum und heiratete den Ingenieur Avraham Vilensky.

Nach dem Tod ihres Mannes zog Melania zu ihrer Tochter nach Haifa. Gegen Ende ihres Lebens wurde sie krank. Als die Ärzte voraussagten, dass sie höchstens noch zwei Jahre leben würde, beschloss Melania, ihre verbleibenden Jahre zu nutzen, und reiste um die Welt. Sie erreichte ein hohes Alter und starb 1971 im Alter von 92 Jahren. Sie wurde im griechisch-orthodoxen Teil des Friedhofskomplexes von Haifa begraben.

Obwohl sie vierzig Jahre im Land lebte, beherrschte Melania die hebräische Sprache nicht und konnte deshalb die Werke ihres Mannes nicht genießen.