Sie war eine kluge, wunderschöne, talentierte und mutige Frau. Eine Frau mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, Ungerechtigkeiten und Ungleichheit zu beseitigen. Bekannt war sie unter dem Beinamen „First Lady der mediterranen Idee“.
Rassismus und Einsamkeit im Moschaw
„In einer neuen Siedlung in den Bergen Galiläas besuchte ich eine Familie aus Marrakesch: einen Mann und eine Frau, beide noch keine 30, und ihre vier Kinder. Ich fragte sie, wie sie sich in Israel fühlten. ‚Wir sind hier so einsam. Es gibt niemanden, mit dem wir ein Wort wechseln können.‘ Das Wort Einsamkeit kam ihnen immer wieder über die Lippen, was mich umso mehr wunderte, als mir aufgefallen war, dass in der Siedlung zahlreiche Familien aus dem Jemen lebten. Ich fragte meine Gastgeber, ob sie das Arabisch der Jemeniten verstünden und ob sie versucht hätten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Schon die Frage beleidigte sie. ‚Nein, sie sind schwarz und sehr rückständig. Bevor sie nach Israel kamen, wussten sie nicht einmal, was Elektrizität ist. Wir sprechen Französisch, und wenn wir uns mit den Jemeniten einlassen, wird man auch uns für schwarz halten, wie sie.‘“ Später übt sie Kritik: „Sie hatten sich noch keine zwei Monate in Israel niedergelassen und waren schon auf Farbunterschiede und Abgrenzungen fixiert. Hätten die Einwanderer aus Europa sie als gleichberechtigte Bürger angesehen, hätten meine Gesprächspartner keine Fantasien von weißer Überlegenheit gegenüber den Jemeniten gebraucht.“ In einem kurzen, bewegenden Absatz beschrieb Jacqueline Kahanoff verschiedene Formen von Rassismus: Rassismus aufgrund der Hautfarbe, Rassismus zwischen Marokkanern und Jemeniten sowie Rassismus zwischen Europäern und Mizrachim.
Irakische und tunesische Wurzeln in Kairo
Jacqueline Shohat wurde 1917 in Kairo geboren. Ihr Vater stammte aus einer Familie, die aus dem Irak gekommen war und stolz auf ihre Herkunft war. Wie ihr Vater zu sagen pflegte: „Das bedeutendste Exil, dank des babylonischen Talmuds und dank Rabbi Saadia Gaon.“ Ihr Großvater, Jacob Shohat, war Kaufmann und finanzierte Handelskarawanen, die zwischen Ost und West unterwegs waren. Als der Suezkanal eröffnet wurde und die Handelswege an Bedeutung verloren, zog die Familie ins moderne Ägypten, das unter britischer Herrschaft stand. Ihre Mutter, Yvonne Shamla, kam aus Tunesien und stammte aus einer Familie, deren Wurzeln im spanischen Monastir lagen. Ihr Großvater und dessen älterer Bruder waren zu Beginn der französischen Kolonialherrschaft nach Tunesien ausgewandert.
Jacqueline beherrschte Französisch und Englisch und besuchte dieselbe Schule, an der sich ihre Eltern Joseph und Yvonne kennengelernt hatten. Sie hatten ihr Zuhause in einem vornehmen Viertel im Herzen Kairos eingerichtet. Ihr Vater war Geschäftsmann, kannte sich in der Bibel aus und überschüttete seine Töchter mit Liebe. Ihre Mutter war trotz ihrer kleinen Statur eine willensstarke Frau, gesegnet mit hoher emotionaler Intelligenz. Sie führte den Haushalt mit fester Hand und schuf ein Zuhause, in dem Wissen und Offenheit geschätzt wurden. Von ihr erbten die Töchter ihre Bewunderung für die französische Kultur. Zugleich herrschte im Haus Spannung zwischen dem Vater, der zur Tradition neigte, weil er fürchtete, der Fortschritt könnte seinen Töchtern das Judentum nehmen, und der Mutter, die sich zur europäischen Kultur und Kunst hingezogen fühlte. Schon in jungen Jahren konnte Jacqueline Passagen aus Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ und Gedichte von Victor Hugo zitieren und kannte die Bibel und die jüdischen Traditionen.
Im August 1927, als sie zehn Jahre alt war, sah Jacqueline einen Umzug, an dem Menschen verschiedener Religionen und Nationalitäten teilnahmen: „Alle waren hier zusammen, alle Ägypter.“ Sie konnte nicht ahnen, wie schnell diese Einheit dem radikalen Islam weichen würde - „feindselig gegenüber allen Anwesenden und den Minderheiten“.
Schon früh liebte sie die Literatur, und als Erwachsene wusste sie bereits, dass ihre Zukunft im Journalismus lag. Mit 16 freundete sich Jacqueline mit Denise Mosseri an, der Erbin eines der größten Vermögen Ägyptens. Sie erwies sich als die glänzendste Schülerin ihrer Oberschule. Beide Freundinnen standen politisch links. Sie interessierten sich für Psychologie, Philosophie und Politik und diskutierten über „Mein Kampf“, die Besetzung des Rheinlands, den Anschluss Österreichs, den Spanischen Bürgerkrieg und vieles mehr. Jacqueline genoss die Offenheit gegenüber allen Religionen. Ihr Vater glaubte, Gott sei überall, und erlaubte ihr, eine Kathedrale zu besuchen. Ihre Religion waren die hebräische Sprache und die Segenswünsche ihres Großvaters und ihres Vaters: „Meine Religion war mein Vater.“ Sie erlebte eine wunderbare Kindheit und Jugend mit unterstützenden Eltern, die sie treffend beschrieb: „Die Pfeiler, an denen ich die wackelige Brücke befestigte, die mich mit meiner Vergangenheit verband und ohne die es keine Zukunft geben konnte.“
Die Prägung ihrer Levantinität
Schon damals wurde sie mit Ungerechtigkeiten konfrontiert und vertrat Ansichten, die seinerzeit nicht verbreitet waren. Sie sah in der levantinischen Identität einen Vorteil gegenüber den Briten und Franzosen in Ägypten: „Wir, die Griechen, die Juden, die Syrer und die Kopten, die fleißigen Minderheiten, die wahrhaft kultivierten Menschen, wir können ihren Platz einnehmen, wenn wir das Geheimnis ihrer Macht lernen, ohne uns jedoch von ihr vergiften zu lassen. Wir werden dem Morgen seinen Charakter und seine Farbe geben, und er wird nicht mit Blut befleckt sein, wenn wir uns nur an das Gebot ‚Du sollst nicht töten‘ erinnern, das uns die Religionen gelehrt haben.“ Jacqueline weigerte sich, in die Rolle zu schlüpfen, die Frauen in Ägypten zugedacht war. Sie wollte „Dinge tun, wie Frauen sie in Europa tun“ - Ärztin werden oder „Schriftstellerin sein, die die Worte findet, unsere Worte, um von unserer verlorenen Zeit zu erzählen und sie durch den Fortschritt wiederzufinden, aber nicht nur innerhalb seiner Grenzen, sondern jenseits davon“.
Neben dem Schreiben arbeitete sie ehrenamtlich in der Muhammad-Ali-Klinik im muslimischen Viertel. Der Zustand der Patienten dort war erschütternd. Später erzählte sie: „Jahre später, als ich in den USA Bilder der lebenden Leichen in Auschwitz sah, erinnerte ich mich an die winzigen Skelette, die auf den Tischen der Klinik noch mühsam atmeten.“ Später engagierte sie sich ehrenamtlich im jüdischen Viertel, wo man in der Schule eine Klinik eingerichtet hatte.
Mit 20 kam sie zum ersten Mal mit ihrer Freundin Sylvie nach Palästina. Sie reisten durchs Land, und Jacqueline sah Frauen in kurzen Hosen, die Seite an Seite mit Männern arbeiteten. Diese Freiheit begeisterte sie, ganz anders als das, was sie aus Kairo kannte, doch ihre Gefühle waren zwiespältig: „Wir bewunderten ihren Willen, für ihre Erlösung und vielleicht auch für unsere eigene zu arbeiten, doch zugleich hatten wir Vorbehalte gegen alles, was uns als Vorurteile erschien, die sie mit allen anderen weißen Siedlern teilten ... Wir waren überrascht, dass die Juden in Palästina keine Nähe zu den Arabern empfanden. Es schien, als sei für sie jeder außerhalb ihres Lagers ein Nichtjude oder Ismaeliter und als hätten auch wir sefardischen Juden etwas an uns, das nicht in Ordnung war - wegen unserer Beziehungen zu diesem Stiefbruder.“ Jacqueline scheute sich nicht, auch Kritik zu üben: „Die Arroganz der Fremdenführer und der meisten Menschen, die uns ihre Kibbuzim zeigten, ihre Unfähigkeit, ihre Errungenschaften für sich selbst sprechen zu lassen, der überhebliche Ton, wenn sie sich mit anderen Völkern verglichen - all das rief eine Art Spott hervor.“ Obwohl ihr klar war, dass die Gründung des Staates die Juden in den arabischen Ländern und in Ägypten in eine schwierige Lage brachte, beschloss sie: „Eines Tages werde auch ich nach Palästina kommen.“
„Kein Mann will eine so kluge Frau, kein Mann wird dich heiraten“, prophezeite ihre Mutter. Dennoch lernte Jacqueline weiter. Sie heiratete Izzy Margolis, einen jüdischen Arzt russisch-ägyptischer Herkunft, der in den USA geboren worden war. 1941 reisten sie in die USA und ließen sich in Chicago nieder: „Ich hatte das Gefühl, in eine völlig andere Welt gefallen zu sein als alles, was ich bis dahin gekannt hatte. Anders nicht nur in ihren Ausmaßen, sondern auch in der Art zu leben und zu arbeiten. Auch wenn sich das schwer beschreiben ließ, fiel es mir sofort auf. In meinen Augen, den Augen einer noch sehr jungen Frau, wirkte es fremd und ein wenig verrückt, komisch und beängstigend.“ So beschrieb sie ihre Erfahrungen in den USA. In dem Umzug sah sie die Möglichkeit, die ihr in Ägypten verwehrt geblieben war: „eine normale Frau und zugleich Schriftstellerin“ zu sein. Die Vereinigten Staaten beeindruckten sie nicht: „Wie groß war Amerika, eintönig und hässlich! ... Auch die Menschen wirkten unfertig, wie Lehmfiguren.“ Sie protestierte gegen die Geflügelindustrie. Ihrer Ansicht nach war die dortige industrielle „Effizienz“ unmenschlich. Schon damals darüber zu sprechen, war neu. Sie nahm die Debatte über Vegetarismus, Veganismus und den Umgang mit Tieren vorweg.
Jacqueline studierte Literatur und Journalismus an der Columbia University. Nach ihrem Abschluss erfüllten sich ihre Träume: „Das Wertvollste unter meinen Träumen war, Schriftstellerin zu werden“, und tatsächlich fand sie eine Anstellung bei der Zeitschrift „The Atlantic“. In den USA schrieb sie „Jacobs Leiter“, ihren ersten Roman, „So ist Rachel“, für den sie 1946 einen Literaturpreis erhielt, sowie einige weitere Kurzgeschichten. In diesen Erzählungen kritisierte sie die orientalischen Juden, die ihrer Ansicht nach einerseits in Floskeln sprachen und andererseits die Rolle der Frau auf Gebären und Haushaltsführung beschränkten. Jacqueline verliebte sich in den Anthropologen und Intellektuellen Claude Lévi-Strauss, der vor der nationalsozialistischen Besatzung aus seiner Heimat Frankreich in die Vereinigten Staaten geflohen war. Ihre romantische Beziehung bezeichnete sie als die bedeutendste ihres Lebens. Nach fünf Jahren in den Vereinigten Staaten ließ sie sich von ihrem Mann scheiden und kehrte nach Ägypten zurück.
Sie kam als erfolgreiche und bekannte Schriftstellerin nach Ägypten zurück, doch es war nicht mehr dasselbe Ägypten, das sie verlassen hatte. Nun war Ägypten von Judenhass geprägt. Nach einem kurzen Aufenthalt in Kairo schloss sie sich ihrer Schwester in Paris an und fand dort Anschluss an einen Kreis von Intellektuellen, mit denen sie durch Europa reiste. Jacqueline schrieb über sie und über sich selbst. In Paris traf sie Alexander Kahanoff, den sie schon in ihrer Jugend in Kairo kennengelernt hatte. Die beiden verliebten sich, heirateten und kamen 1954 nach Israel: „Die Einwanderer aus dem Orient hatten von ihren Brüdern einen ganz anderen Empfang erwartet. Sie mussten sich an eine Gesellschaft gewöhnen, an deren Gestaltung sie nicht beteiligt gewesen waren und in der sie oft als Rohmaterial galten, das erst bearbeitet werden musste und einer Erziehung, einer ‚zionistischen Schulung‘, bedurfte.“ So empfand sie es und so schrieb sie darüber. Zwei Jahre lang lebten sie in einem Aufnahmezentrum in Beerscheba, dann zogen sie nach Bat Yam. Der Salon von Jacqueline und Alexander wurde zu einem Treffpunkt für Intellektuelle. Sie schrieb Essays und übersetzte aus dem Englischen. Außerdem veröffentlichte sie Beiträge in den Zeitungen „LaIsha“, „At“ und „Haaretz“ und brachte eine neue Stimme ins Land, die die Leser begeisterte.
Schreiben, Kampf und Erbe
Derjenige, der sie „entdeckte“ und ins Rampenlicht rückte, war Aharon Amir. Er gab ihr Raum in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Keshet“. Sie veröffentlichte dort mehrere Artikel, darunter „Das goldene Zeitalter der schreibenden Frauen“ und „Levantinigkeit“. Sie erzählte die Geschichten der Benachteiligten - von Frauen, Marokkanern und anderen: „Ich selbst bin eine typische Levantinerin, insofern ich gleichermaßen schätze, was ich aus meiner östlichen Herkunft mitbekommen habe und was mir nun aus der westlichen Kultur zuteilwird. Diese Auffassung, die man in Israel Levantisierung nennt, betrachte ich als Bereicherung und nicht als Verarmung.“ Die Zeitschrift „Keshet“ vereinte unter ihrem Dach eine Elite von Schriftstellern, darunter A. B. Yehoshua, Amos Oz, Haim Be'er und Dahlia Ravikovitch. Sie alle bewunderten sie und schrieben über sie und ihr Werk. Ihre Artikel waren eine Mischung aus persönlichen Erzählungen, aus denen sich philosophische Diskussionen über Fragen entwickelten, die sie beschäftigten. Sie war es, die dem Wort „Levantinigkeit“ eine positive Bedeutung von Offenheit und Inklusion verlieh. Der Schriftsteller Haim Be'er beschrieb sie treffend: „Sie servierte dem engen israelischen Tisch ein neues, überraschendes Gericht. Sie predigte nicht, ließ einen aber verstehen, dass die aschkenasische Überheblichkeit auf einem Irrtum beruhte. Dass die levantinische Möglichkeit dem, was wir zu bieten haben, unendlich überlegen ist. Sie verkörperte eine Welt, deren Schönheit in ihrer Komplexität lag: französisch, englisch, nahöstlich, jüdisch, orientalisch-aristokratisch. In ihrer Persönlichkeit und ihrem Schreiben schlug sie Verbindungen vor, die wir nicht kannten, ein mögliches Modell für ein Leben in dieser Region - weder in Selbstverleugnung und Unterwürfigkeit noch in Überheblichkeit.“
Jacqueline Kahanoff verdiente sich zu Recht Bezeichnungen wie „Wegbereiterin des mediterranen Geistes“, „First Lady der mediterranen Idee“ und „Vordenkerin der mediterranen Idee“. Sie erkannte früher als andere die Spannungen zwischen Aschkenasim und Mizrachim und versuchte, ihnen mit ihrem Schreiben entgegenzuwirken.
Nur wenige in der literarischen Gemeinschaft kennen eines der wichtigen Urteile des Obersten Gerichtshofs, das mit Jacqueline zu tun hat, und nur wenige Jurastudierende wissen, dass es sich dabei um die bekannte Jacqueline Kahanoff handelt. Im August 1972 reichte ihr Mann Alexander beim Rabbinatsgericht in Tel Aviv die Scheidung ein. Aus seiner Sicht war das ein genialer Schachzug: Nach jüdischem Religionsrecht gilt eine Frau, die sich weigert, mit ihrem Mann zusammenzuleben, wie Jacqueline es getan hatte, als „rebellisch“ und verliert deshalb alle ihre Rechte. Sollte das Rabbinatsgericht ihre Ehe nicht anerkennen, weil sie standesamtlich geheiratet hatten, wäre er ihr ebenfalls nichts schuldig. Im ungünstigsten Fall, sollte er den Prozess verlieren, wäre sie nach dem Religionsrecht von seinem guten Willen abhängig, ihr den Scheidebrief zu geben. Er könnte sich weigern, es sei denn, sie machte Zugeständnisse. Außerdem galt sie vor dem Rabbinatsgericht noch als mit ihrem früheren Mann verheiratet, weil auch sie beide nur standesamtlich geheiratet hatten. Doch selbst wenn sie sich nach jüdischem Recht hätte scheiden lassen, hätte sie Alexander nicht heiraten dürfen, weil er ein Kohen war ...
Jacqueline erkannte, dass das Rabbinatsgericht ihre Rechte beschneiden würde und dass ihr Mann dieses Verfahren nicht in gutem Glauben angestrengt hatte. Ihrem eigenen Weg treu, wandte sie sich an den Obersten Gerichtshof. Für sie war das ein großes Opfer, denn sie musste ihr Privat- und Intimleben fremden männlichen Richtern offenlegen. Ihre Argumente vertraten nicht nur sie selbst, sondern das gesamte weibliche Geschlecht. In der Klageschrift hieß es: „Sie sind so grausam und stehen so sehr im Widerspruch zum fortschrittlichen Geist des Gesetzgebers, wie er sich in der Gesetzgebung zum Schutz der Rechte der Frau zeigt, dass man unmöglich annehmen kann, der Gesetzgeber habe mit dem Gesetz über die Gerichtsbarkeit der Rabbinatsgerichte beabsichtigt, Angelegenheiten wie die oben genannten der ausschließlichen Zuständigkeit der Rabbinatsgerichte zu übertragen.“ Sie forderte den Obersten Gerichtshof auf zu entscheiden, ob die Zuständigkeit für Scheidungen ausschließlich beim Rabbinatsgericht liege. Der Oberste Gerichtshof wies ihren Antrag ab, dem Rabbinatsgericht die Befugnis abzusprechen, ihren Fall zu verhandeln. Noch schwerer wog, dass das Urteil die Befugnis des Rabbinatsgerichts bekräftigte, Frauen weiterhin nach dem Religionsrecht zu diskriminieren und ihre Rechte zu beschneiden. Für sie war das schlimmer als ihre persönliche Niederlage.
Anfang 1976 schrieb sie: „Ich schreckte schweißgebadet und zitternd auf, an die Wand gelehnt. Ich schleppte mich ins Badezimmer. Im Spiegel betrachtete ich mein Gesicht, das sich bis zur Unkenntlichkeit grün verfärbt hatte. Da wusste ich, dass ich sehr krank war.“ Sie erkrankte an Gebärmutterkrebs und schrieb aus dieser schwierigen Lage heraus: „Gerade die unpersönliche Medizintechnik hat es mir ermöglicht, nicht nur noch ein paar Jahre zu leben (hoffentlich), sondern auch etwas zu erleben, das einer Offenbarung gleicht, einem beinahe mystischen Fest des Lebens. Es erfüllt mich mit tiefer Freude, die Welt zu betrachten: Bäume, Himmel, Blumen, das Rauschen des Windes - und all ihre Düfte, Formen und Farben.“ Später schrieb sie: „Ich wusste nicht, dass Sterben so langweilig ist.“
1979 starb Jacqueline Kahanoff im Alter von 62 Jahren und wurde auf dem Friedhof von Bat Yam beigesetzt. In Beerscheba ist eine Straße nach ihr benannt.






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