Der begabte Mann, Inhaber des größten Architekturbüros Europas, lebte in einer Windmühle, baute den „Palast“, und seine Handschrift ist noch heute in der israelischen Landschaft zu erkennen.

Der Besuch in Rechovot und Weizmanns Haus

Die beiden elegant gekleideten Männer, die im Herbst 1934 auf einem kahlen Hügel nahe Rechovot standen, erregten im Land großes Aufsehen. Beide waren weltbekannt. Der eine, Dr. Chaim Weizmann, war ein bahnbrechender Chemiker, der dank der auf seinen Namen eingetragenen Patente reich geworden war und seine Zeit, sein Talent und seine Beziehungen dem jüdischen Volk widmete. Später wurde er der erste Präsident des Staates Israel. Der andere, Erich Mendelsohn, war kurz zuvor aus Deutschland geflohen, wo er Europas größtes Architekturbüro besessen hatte. In Rechovot gingen Mendelsohn und Weizmann die Pläne für das künftige Haus des Doktors durch. Das Haus erhielt den Beinamen „der Palast“ und wurde in die weltweite Liste ikonischer Häuser aufgenommen. Im „Palast“ waren bedeutende Persönlichkeiten aus aller Welt zu Gast, und in seinem Garten wurden die Weizmanns beigesetzt. So beschrieb Erich Mendelsohn das Haus: „Ein orientalisches Gebäude, aber so, dass ein Mensch europäischer Kultur darin leben kann.“ Über den Besuch auf dem kargen Hügel schrieb seine Frau Louise Mendelsohn: „Die Nachricht, dass Erich Mendelsohn in Jerusalem sei und zum Architekten des Hauses Weizmann ernannt worden war, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Sein Kunde aus Deutschland, Salman Schocken, war nach Jerusalem gezogen und plante ein Haus und eine Bibliothek für seine wertvolle Kabbala-Sammlung sowie für andere seltene Bücher und Stiche. Bei Hadassah erwog man den Bau eines neuen Krankenhauses ... Erich war von Besuchern umringt, die mit ihm über Baupläne sprechen wollten.“

Fotos dieser Geschichte: אריך מנדלסון
בית ויצמן ברחובות, שתכנן אריך מנדלסוןצילום: אילנה שקולניק, CC BY 2.5, אתר פיקיוויקי

Im Land wohnte Mendelsohn im King David Hotel in Jerusalem. Vom Fenster seines Zimmers aus blickte er auf die Mauer der Altstadt. Potenzielle Auftraggeber strömten in sein Zimmer, bis er in ein vorläufiges Büro in Jerusalem umziehen musste und seine Rückkehr nach England um mehrere Wochen verschob. Ein Jahr später mietete Mendelsohn die Windmühle in der Ramban-Straße im Stadtteil Rehavia und eröffnete dort sein Büro, zusätzlich zu dem in London. Die folgenden Jahre pendelte er zwischen London und Israel. 1939 zog das Ehepaar Mendelsohn für zwei Jahre in die Mühle.

Der Ruhm in Europa und die Ausgrenzung

Mendelsohn besaß die Gabe, vorauszusehen, wie sich seine Gebäude in ihre Umgebung einfügen würden, und vermochte sogar, die Zukunft vorauszuahnen. Nur wenige Wochen nach Hitlers Machtübernahme, als viele noch behaupteten: „Das wird nicht passieren ...“, verließ er Deutschland - auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er ließ dort mehrere von ihm entworfene Gebäude zurück, darunter den „Einsteinturm“ in Potsdam und die Kaufhauskette von Salman Schocken, die „Schocken-Kaufhäuser“, in Stuttgart, Nürnberg und Chemnitz. Er baute auch Privathäuser wie die Villa Sternfeld in Berlin, große Schulen und zahlreiche weitere Gebäude, etwa ein Seidenkaufhaus in Gleiwitz, das Kraftwerk in Wüstegiersdorf und sein eigenes Haus in Berlin. Auch in Großbritannien entwarf er mehrere Gebäude: das „Universum“, damals das modernste Kino der Welt, und den De La Warr Pavilion im Süden Englands. Einige seiner Werke sind bis heute Anziehungspunkte für Architekten aus aller Welt.

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ספריית שוקן ברחביה בירושלים, שתכנן אריך מנדלסוןצילום: Deror avi, CC BY-SA 3.0, ויקישיתוף

Erich Mendelsohns Name war überall auf der Welt bekannt. Er wurde zu Vorträgen in ganz Europa eingeladen. 1923 kam er nach Israel, nachdem er die Einladung von Pinchas Rutenberg angenommen hatte, dem Erbauer des Kraftwerks in Naharayim. Die Landschaft, die Menschen des Jischuw und insbesondere die arabischen Dörfer hinterließen einen tiefen Eindruck auf ihn. Er war ein romantischer Jude, der sich mit Künstlern identifizierte und die Welt verbessern wollte. In seiner Architektur suchte er nach einer Versöhnung gegensätzlicher Kräfte.

Mendelsohn suchte stets nach Wegen, seine Gebäude schneller, effizienter und kostengünstiger zu errichten, und seine Auftraggeber schätzten das. So wurde etwa das Schocken-Kaufhaus in Stuttgart in neun Monaten gebaut, das in Nürnberg in zehn Monaten. Das „Universum“ im Zentrum Berlins errichtete er innerhalb eines Jahres. Auch heute kann man sich kaum vorstellen, große und komplexe Gebäude in so kurzer Zeit zu bauen. Fast alle Gebäude, die Mendelsohn in Deutschland errichtete, waren für jüdische Geschäftsleute bestimmt.

Trotz seines Erfolgs und Ruhms wurde Mendelsohn nicht in den Kreis der europäischen modernistischen Architekten aufgenommen, was ihn sehr frustrierte. Er wusste nicht, ob es an Antisemitismus oder an seinem höheren Alter lag oder vielleicht daran, dass seine Auftraggeber wohlhabende Menschen und Geschäftsunternehmer waren, während sich der Diskurs der modernistischen Architekten auf bezahlbaren Wohnraum für die Arbeiterklasse beschränkte. 1927 fand in Stuttgart eine deutsche Bauausstellung statt, doch Mendelsohn wurde nicht zu ihrem wichtigsten Projekt eingeladen: der Weissenhofsieldung, an der sechzehn europäische Architekten beteiligt waren, darunter die führenden Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier, Walter Gropius und andere. 1928 verfasste der Architekt Sigfried Giedion „Space, Time and Architecture“, ein Buch, das als Bibel der modernen Architektur gilt. Giedion erwähnte Mendelsohn überhaupt nicht, erst in späteren Ausgaben.

Ost und West im Entwurf

Bei seinem Besuch mit Weizmann stellte Mendelsohn fest, dass architektonische Elemente aus seinen Entwürfen für die Villa Sternfeld und das Kaufhaus in Stuttgart in der jungen Stadt Tel Aviv sowie in den neuen Wohngebieten Jerusalems und Haifas aufgegriffen worden waren. Für ihn war das kein Kompliment, sondern ein großes Missverständnis seiner Ideen. Was zu Deutschland gepasst hatte, passte nicht zu Israel. Er hielt das für einen schweren Fehler und darüber hinaus für eine Missachtung der jüdischen Wurzeln. Seiner Ansicht nach lagen die Ursprünge für den Aufbau einer nationalen Heimstätte nicht in den Ghettos Europas, sondern in der orientalischen Welt, in einer Welt, in der die Liebe zum Land lebendig ist. Er hatte diese Welt zu verstehen gelernt und sie mit seiner europäischen Bildung verbunden. So schuf er eine Synthese aus West und Ost, wie er schrieb: „In diesem historischen Augenblick eröffnet sich dem jüdischen Volk die Möglichkeit, in seine alte Heimat zurückzukehren und im Herzen der Welt eine Brücke zur Vereinigung von Ost und West zu schlagen. Damit diese Bestimmung Wirklichkeit wird, müssen westliches Wissen und östliche Reinheit eine gemeinsame Grundlage finden, die vorerst noch unbekannt ist ... Palästina steht für die Vereinigung der modernen Zivilisation mit der ältesten Kultur.“

Nach Erich Mendelsohns Auffassung muss ein Haus mit seiner Umgebung in Beziehung stehen. Genau aus diesem Grund ging er mit Weizmann auf jenen Hügel bei Rechovot. Das Haus von Chaim Weizmann, das den Beinamen „der Palast“ erhielt, wurde 1936 errichtet und umfasste eine Fläche von 796 Quadratmetern. Als Weizmann zum Präsidenten gewählt wurde, wurde das Haus zur offiziellen Residenz des Präsidenten. 1966, nach dem Tod von Vera Weizmann, wurde es in ein Museum umgewandelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In einem seiner Briefe schrieb Weizmann: „Ich bin sehr enttäuscht von Mendelsohn, weil er ein Jahr vergeudet hat. Er ist ein brillanter Architekt, aber ein schwieriger Mensch.“ Und Mendelsohn schrieb über das Haus: „Es ist ein durch und durch modernes Haus ... Dennoch besitzt es die Eigenschaften eines Wohnhauses in einem subtropischen Klima. Meiner Ansicht nach ist dies die Art von Haus, die nach zweitausend Jahren im Orient ihren Platz erobern wird, so wie es üblich war, als Judäa eine römische Provinz war.“

Mendelsohns moderne, schmucklose Formensprache stieß bei seinen Auftraggebern nicht immer auf Gegenliebe. Während er das Hadassah-Krankenhaus auf dem Skopusberg entwarf, bat ihn die damalige Präsidentin der Organisation, Rose Jacobs, orientalische Elemente in das Design aufzunehmen. Daraufhin setzte Mendelsohn drei flache Kuppeln über das Eingangstor des Komplexes. Wenn man ihn danach fragte, nannte er sie spöttisch „Jacobs' Brüste“. Über das Gebäude sagte er, als es bereits stand: „Niemand kann enttäuscht sein, wenn er es im Licht der strengen Einfachheit und stillen Ruhe der großen geistigen Werke dieses Teils der Welt betrachtet - der Bibel, des Neuen Testaments und des Korans.“

In jener Zeit arbeitete Mendelsohn an zahlreichen Projekten. In Tel Aviv entwarf er das erste Gebäude des Max-Fine-Colleges, das 1931 an der Grenze zwischen dem Ölgelände und dem Bahnhofsviertel (dem Kutscherviertel) errichtet wurde. „Ich liebe das Land Israel und nenne mich sein wahres Kind“, schrieb er 1933, noch bevor er ins Land gekommen war, an seinen Freund Kurt Blumenfeld. „Jede Arbeit, die ich geschaffen habe, insbesondere die unrealistischen Ausbrüche in Skizzen und Konzepten, schöpfte ihre Kraft aus der biblischen Einfachheit, die sich verwirklicht und zugleich die ganze Welt umfasst. Ich weiß, dass die unnachahmliche Qualität meiner ersten Gebäude jüdischen Quellen entspringt. Schon in meiner frühen Jugend war mir das bewusst, und dieses klare Bewusstsein ließ mich die Notwendigkeit des Zionismus erkennen. Der Zionismus wurde für mich zum einzigen Weg, mich selbst zu finden und im umfassendsten Sinn des Wortes schöpferisch zu sein.“

Von der Kindheit in Deutschland zum Einsteinturm

Erich Mendelsohn wurde im März 1887 in Allenstein in Deutschland (heute in Polen) in eine jüdische Familie hineingeboren. Seine Mutter war Hutmacherin, sein Vater besaß ein Geschäft. Zunächst studierte er auf Drängen seines Vaters Wirtschaftswissenschaften und Jura an der Universität München, denn sein Vater behauptete, Architektur sei „kein Beruf für Juden“. Doch der junge Mendelsohn, dessen Gedanken von obsessiven Visionen über Formen und Gebäude erfüllt waren, bestand darauf, seinen Traum zu verwirklichen. Nach zwei Jahren Jurastudium begann er an der Universität in Berlin Architektur zu studieren. Nach seinem Abschluss im Jahr 1912 arbeitete er als selbstständiger Architekt in München.

1915 heiratete Mendelsohn Louise Maas, die damals 20 Jahre alt war. Er hatte sich in sie verliebt, als sie erst 16 war, und schrieb ihr bis zu seinem Tod 1200 Briefe. In ihren Erinnerungen schrieb Louise über diese Briefe: „Architekten glauben, sie hinterließen etwas Ewiges. Ihre Gebäude sind aus Stein und Stahl gebaut, doch auch sie verfallen und verschwinden ... Erichs Vermächtnis sind seine futuristischen Skizzen und seine Briefe an mich.“ Louise war eine wunderschöne Cellistin aus gehobenem Hause, Tochter einer wohlhabenden jüdischen Teehändlerfamilie, eine begehrte und bekannte Dame der Gesellschaft und acht Jahre jünger als Erich. 1919 wurde ihre einzige Tochter Esther geboren. Louise widmete ihr Leben ihrem Mann, und in ihren Briefen sprachen sie über seine Arbeit und die Umbrüche der Welt, die sie gemeinsam erlebten. Im Ersten Weltkrieg trat Mendelsohn in die deutsche Armee ein und diente an der russischen Front als Krankenwagenfahrer. Der Krieg hinterließ bei ihm eine seelische Narbe, und er schwor, sich bis ans Ende seines Lebens nicht mehr an Kriegen zu beteiligen: „Millionen stürzen sich in einen Krieg, der sie schließlich verschlingen wird.“

Durch seine Frau Louise lernte er den Cellisten Herbert Freundlich und dessen Bruder Erwin Finlay Freundlich kennen, den stellvertretenden Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts in Berlin. Erwähnenswert ist, dass das Institut an der nationalsozialistischen wissenschaftlichen Forschung beteiligt war. Dennoch wandte Erwin sich an Mendelsohn, obwohl dieser Jude war. Erwin bat ihn, ein Observatorium zu bauen, um die Relativitätstheorie des jüdischen Einstein zu beweisen. Der Turm wurde zwischen 1920 und 1921 errichtet und 1924 in Betrieb genommen. Nach der Fertigstellung führte Mendelsohn Albert Einstein durch das Gebäude. Einstein befand, das Bauwerk sei „organisch“. Mendelsohn selbst fand großzügigere Worte: Er sagte, er habe das Gebäude einem unerklärlichen Impuls folgend entworfen und der Turm sei aus „dem Geheimnis hervorgegangen, das Einsteins Universum umgibt“. Albert Einsteins Nobelpreis trug erheblich zum Ruf des jungen Architekten bei. Das Gebäude überstand die Luftangriffe der Alliierten, weil seine einzigartige Form dafür sorgte, dass die Druckwellen der Bomben, die in der Nähe des Turms einschlugen, um ihn herumgeleitet wurden und ihn nicht trafen.

1921 verlor Erich Mendelsohn infolge einer Krankheit eines seiner Augen. Zu dieser Zeit begegnete Salman Schocken dem jungen Architekten. Schocken war von Mendelsohns Skizzenbuch tief beeindruckt, vor allem von seinem schlichten, klaren und funktionalen Stil sowie seinen kühnen Entwürfen. Er beauftragte Mendelsohn, die Hauptfilialen der Schocken-Kaufhauskette in Nürnberg, Stuttgart und Chemnitz zu gestalten.

Nach dem Erfolg des 1925 errichteten „Einsteinturms“ gingen in Mendelsohns Büro zahlreiche Aufträge ein, und er versank in Arbeit. Louise nutzte die Gelegenheit und fuhr zur Erholung in den Ort Engadin in den Schweizer Alpen: „Zweitausend Meter über Mensch und Zeit, nur ich, mein Cello und das Gefühl der Freiheit.“ Sie blieb dort mehrere Wochen und begann eine Affäre mit dem deutsch-jüdischen Dramatiker und Revolutionär Ernst Toller: „Ich war in unserer schicksalhaften Beziehung verloren.“ Als der Urlaub zu Ende war, endete auch die Affäre. 1929, als sie in London lebte, erfuhr sie, dass Toller sich in seinem New Yorker Hotel erhängt hatte. „Mit niemandem konnte ich meinen Schmerz teilen“, schrieb sie. Die Affäre riss eine tiefe Kluft in ihre Beziehung zu ihrem Mann. Doch Erich beschloss, mit ihr einen Neuanfang zu wagen und ihr ihr Traumhaus im bürgerlichen Vorort Rupenhorn am Ufer des Stößensees in Berlin zu bauen. Er entwarf das Gebäude, die Möbel, das Geschirr, ihre Abendkleider und sogar ein ganzes Schmuckset. „Erich musste alles vollständig unter Kontrolle haben“, schrieb Louise. Auf der anderen Seite des Sees lebte ein Amateurgeiger namens Albert Einstein, der gelegentlich mit seinem Boot herüberkam, um mit ihr zu musizieren. Das Haus war riesig, etwa 4000 Quadratmeter groß, wunderschön, von vollkommenen Proportionen und mit der damals modernsten Technik ausgestattet. Das neue Haus wurde zum Treffpunkt für all ihre Freunde, darunter Salman Schocken, Dr. Chaim Weizmann und der Journalist Kurt Yehuda Blumenfeld. Auf alten Fotografien sieht man sie alle rauchend auf der zum See gelegenen Terrasse sitzen, während Louise für sie Cello spielt. Die Familie konnte in ihrem Traumhaus nur drei Jahre wohnen. Im März 1933, an Mendelsohns Geburtstag und kurz nach Hitlers Machtübernahme, verließen sie Berlin und begannen ihre Wanderjahre durch die Welt. Louise war nicht traurig, das Haus zu verlassen, und schrieb später sogar: „Eine neue Zeit beginnt, ohne die Last irgendeines Besitzes.“ Das Haus wurde mitsamt seinem gesamten Inhalt beschlagnahmt, blieb jedoch stehen und beeindruckt bis heute. Heute erinnert eine Gedenktafel der Stadt Berlin am Haus an Erich Mendelsohn.

Die Projekte im Land und der Wechsel nach Amerika

Salman Schocken kam Anfang 1934 ins Land und beauftragte Mendelsohn, in Rehavia die Villa Schocken, sein Privathaus, sowie das Bibliotheksgebäude zu entwerfen, in dem seine Privatsammlungen untergebracht werden sollten. Mendelsohn entschied sich, die Villa am höchsten Punkt des Grundstücks zu errichten, mit Blick auf die Jerusalemer Berge. Damals galt das Haus als das luxuriöseste und modernste seiner Art. Es verfügte über eine der ersten Klimaanlagen Israels, die die wertvollen Bücher in der berühmten Bibliothek schützen sollte. Die Familie Schocken wohnte nur kurze Zeit in dem Haus; danach diente es britischen Offizieren als Wohnsitz. Ein Jahr nach Fertigstellung der Villa Schocken legte Mendelsohn einen Bauplan für das Krankenhaus auf dem Skopusberg vor. Der Bau des Krankenhauses wurde 1938 abgeschlossen. Mendelsohn arbeitete bereits an den Plänen für das Gebäude der Anglo-Palestine Bank, die auf Initiative der britischen Mandatsregierung errichtet wurde und deren Entwurf er 1937 begonnen hatte. Als die Bank eröffnet wurde, staunten die Einwohner Jerusalems über den ersten „Wolkenkratzer“ der Stadt, der sieben Stockwerke hoch war und sich neben dem Generali-Gebäude und dem Hauptpostamt in der Jaffa-Straße erhob. Anlässlich der Eröffnung schrieb die Zeitung Davar, die zur Eröffnung eingeladenen Journalisten aus Jerusalem hätten „die Weite und den Komfort sowie den guten Geschmack genossen, die sich überall im Gebäude zeigten“.

Angesichts seiner Erfolge im Land war Erich Mendelsohn der Ansicht, dass ihm der Entwurf der Hebräischen Universität zustehe und er durchaus auch die Leitung der Abteilung für öffentliche Arbeiten der Mandatsregierung (DPW) übernehmen könne. Er wollte der Landschaft unseres Landes seinen Stempel aufdrücken, doch sein Wunsch wurde nicht erfüllt, und er musste mitansehen, wie das Bauen im Land immer weiter verfiel: „Ich fürchte, dass die besonderen Linien der Landschaft des Landes durch Gebäude ohne jedes Maß und ohne jedes Verständnis verändert und verzerrt werden. Ich fühle mich wie Jeremia, in meiner Seele verletzt.“

1942, als auch Israel ein deutscher Einmarsch drohte, begann man auf dem Karmel Befestigungen zu bauen, und die Schreckensbilder des Ersten Weltkriegs kehrten zu Mendelsohn zurück. Erich Mendelsohn beschloss, das Land zu verlassen, und wanderte in die USA aus. Er lehrte Architektur an der University of California in Berkeley und half außerdem der US-Armee, ein Modell eines deutschen Dorfes zu bauen, an dem die Bombardierung Berlins geübt werden sollte. 1945 eröffnete er in San Francisco ein Architekturbüro und entwarf weiterhin Gebäude, vor allem Synagogen für die jüdische Gemeinde.

Erich Mendelsohn starb am 15. September 1953 im Alter von 66 Jahren und wurde in San Francisco beigesetzt.