Die Frau von Elieser Ben Jehuda. Eine kluge und entschlossene Schriftstellerin, die viel zur hebräischen Sprache beitrug und als erste Journalistin über Mode berichtete.

Wie Ruth und Naomi

Zwei Frauen gingen durch die windgepeitschten Ebenen Moabs nach Bethlehem. Eine Generation lag zwischen ihnen, und jede trug ihren eigenen Kummer. Naomi war seit vielen Jahren verwitwet und hatte erst vor kurzem auch ihre beiden Söhne Kiljon und Machlon verloren. Ihre Schwiegertochter Ruth war Machlons Witwe. Hier begegnet uns eine der großen Liebesgeschichten der Bibel: Ruths Liebe zu Naomi. Nachdem sie verwitwet war, erlaubte ihre Schwiegermutter der Moabiterin Ruth, in ihre Heimat und zur Religion ihrer Herkunft zurückzukehren: „Ruth aber sprach: Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe auch ich, dort will ich begraben werden. Der Herr tue mir dies und noch mehr: Nur der Tod wird mich und dich scheiden.“ (Ruth 1,16).

Mehr als 2000 Jahre später sah sich Hemda Ben Jehuda als Ebenbild Ruths und ihren Mann, Elieser Ben Jehuda, den Wiederbeleber der hebräischen Sprache, als Naomi. Nach ihrer Hochzeit schrieb sie in ihr Tagebuch: „Ein junges Mädchen, zwanzig Jahre alt, das kein einziges hebräisches Wort kannte, nicht einmal die Buchstaben des heiligen Alphabets. Ben Jehuda vertraut mir, ohne große Worte, das Schicksal seiner Zeitung und seines Wörterbuchs an, den Wiederaufbau der Ruinen seines hebräischen Hauses, des Kampfplatzes für die Wiederbelebung der Sprache, und vor allem die Erziehung des ersten hebräischen Kindes [...] Und so sagte ich zu ihm: Dein Gott ist mein Gott, dein Land ist mein Land und deine Sprache ist meine Sprache.“ Auch Elieser Ben Jehuda hatte seine Frau Devorah verloren, Hemdas ältere Schwester, die 1891 an Tuberkulose gestorben war. Auf dem Sterbebett hatte sie Elieser gebeten, ihre Schwester zu heiraten. Im selben Jahr starben während einer Diphtherieepidemie drei seiner fünf Kinder, eines nach dem anderen. Ein Jahr nach der schweren Tragödie kam die Schwester, Beila-Pola geborene Jonas, ins Land, um ihren Schwager zu heiraten. Nach der Hochzeit hebraisierte Elieser Beila Polas Namen zu Hemda. Dabei ließ er sich von Désirée inspirieren, Napoleons Geliebter. „Er hebraisierte Désirée (Begierde, d. Ü.) zu Hemda, vom Wort für begehren.“ Das Paar bekam sechs Kinder, und Hemda zog Eliesers Kinder aus der Ehe mit Devorah und ihre eigenen Kinder groß, wie sie später schrieb, „unter sehr beengten Verhältnissen“. Elieser schätzte ihre Hilfe und betonte immer wieder: „Ohne sie (Hemda) wäre das Wörterbuch nicht erschienen.“ Hemda war mit vielen Talenten gesegnet und wurde später selbst Journalistin und Schriftstellerin.

Vom Hause Jonas zum Hause Ben Jehuda

Hemda Ben Jehuda wurde 1873 als Beila Jonas in eine wohlhabende Familie in Russland hineingeboren. Ihr Vater, Schlomo Naftali Herz Jonas, war ein Anhänger des Rebben von Ljubawitsch, erfolgreicher Kaufmann, gebildeter Mann, Dichter und einer der ersten Chowewe Zion. Obwohl ihr Vater Zionist war und ihre ältere Schwester Devorah Elieser Ben Jehuda geheiratet hatte, einen Anhänger der Chowewe Zion, der die hebräische Sprache im Land Israel wiederbeleben sollte, stand Hemda in ihrer Jugend dem Judentum und dem Zionismus fern. Sie erhielt eine allgemeine Bildung und studierte nach ihrem Abschluss am Gymnasium in Moskau Chemie am Fraueninstitut für Naturwissenschaften. Die große Wende in ihrem Leben kam mit dem Tod ihrer Schwester Devorah. Mit 18 ließ Hemda alles hinter sich, um in ein fernes, rückständiges Land zu gehen und ihren 15 Jahre älteren Schwager Elieser zu heiraten, der damals an Tuberkulose erkrankt war. Sie wollte versuchen, die Familie wieder aufzurichten, die nach dem schweren Verlust in einen Abgrund des Kummers gestürzt war. Hemda und Elieser heirateten in Konstantinopel, und schon bei ihrem ersten Treffen begann er, ihr Hebräisch beizubringen. Als sie ihren Koffer öffnen wollte, nahm Ben Jehuda ihr den Schlüssel ab und sagte: „Das ist ein Schlüssel.“ Hemda sah eine tiefe Symbolik darin, dass gerade dieses Wort ihr erstes war. Dieser Schlüssel sei nicht nur der Schlüssel zum Erlernen der neuen Sprache gewesen, sondern auch der Schlüssel zu ihrem gemeinsamen Leben mit Ben Jehuda und zu ihrem neuen Leben im Land Israel. Später gestand Hemda ihm ihre Liebe: „Schon als ich dort, an jenen Orten, die du durchquert hast, noch ein kleines Mädchen war, liebte ich an dir nicht nur deine Schönheit und deinen Körper, sondern auch deine reine Seele, deinen gewaltigen Verstand, deinen klaren Geist, dein Wissen, deine Einsichten und Gedanken und deinen Mut. Alles an dir liebte ich, und ich liebte dich wie eine Verrückte.“

Wie Elieser Ben Jehuda 1882 schrieb, betrachtete er die Wiederbelebung der hebräischen Sprache als Mittel zur Herausbildung eines Volkes und nicht als Selbstzweck: „Noch nie seit dem Auszug aus seinem Land war Israel so sehr auf Einheit angewiesen wie heute ... Doch diese Einheit wird dem Volk Israel nur dann zuteil, wenn es eine Sprache spricht. Keine andere Sprache als die Sprache seiner Väter kann ihm diese Einheit geben ... Nur in der hebräischen Sprache wird Israel in seinem Land leben ...“

Als Hemda Elieser heiratete, beschloss sie, ihm alle alltäglichen Sorgen abzunehmen, damit er sich dem Verfassen des Wörterbuchs widmen konnte. Sie zog die Kinder groß, kümmerte sich um den Haushalt, verwaltete die Finanzen und schrieb, vor allem über das Bild der neuen Frau im künftigen Land. Wie ihr Mann setzte sie sich für die Verbreitung der hebräischen Sprache ein. In ihren Texten vertrat sie Eliesers Ansichten, verbreitete seine sprachlichen Neuschöpfungen und schrieb auch sein Tagebuch.

Die Beziehung zwischen Hemda und Elieser nahm bei seinem Besuch im Haus der Familie Jonas im Jahr 1886 ihren Anfang, als sie gerade einmal 15 Jahre alt war. Ihre Liebe war leidenschaftlich und glühend. 1893, kurz vor Chanukka, erschien in der von Elieser Ben Jehuda gegründeten Zeitung „HaZvi“ ein Artikel mit dem Titel „Gebote müssen mit der richtigen Absicht erfüllt werden“. Darin wurde der Mut von Judas Makkabäus gepriesen und nach einem Mann wie ihm gesucht, der „Truppen sammeln und vorwärtsmarschieren“ könne. Eliesers ultraorthodoxe Gegner denunzierten ihn bei den Türken und behaupteten, der Artikel sei nichts weniger als ein Aufruf zum Aufstand gegen die Herrschaft. Elieser wurde verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Am Abend vor dem Prozess schrieb er Hemda aus dem Gefängnis einen bewegenden Liebesbrief:

„Meine Hemda, meine Frau, mein Leben, meine Seele und mein Geist, morgen ist der Tag des Urteils. Mein Herz sagt mir, meine Hoffnung ist stark, dass die Richter selbst erkennen werden, dass meine Feinde mich nur mit einer falschen Anklage verleumdet haben, und mich freilassen werden. Ich spüre, dass dies meine letzte Nacht im Gefängnis ist und dass wir morgen um diese Zeit zusammen zu Hause sein werden. Wie werde ich dich umarmen, mein liebes Kind, wie werde ich dich küssen, meine süße Frau! Wie angenehm ist mir das Gefängnis in dieser Nacht, wie teuer ist mir meine Zelle, in der Hoffnung, morgen mit dir zusammen zu sein! Doch, meine liebe Hemda, meine Liebste, trotzdem weiß niemand, was der morgige Tag bringen wird. Ein geringfügiger Zwischenfall kann ein wenig Verwirrung oder eine kleine Verzögerung verursachen, und schon reicht das, um mich für einige Tage in meine Zelle zurückzubringen ... Dieses Bewusstsein genügt uns, alles mit Mut und Stärke zu ertragen. Darum, meine liebe Frau, sei stark und fasse Mut. Wisse, dass ich Ruhe finde, wenn du ruhig bist, und dass ich, wenn ich weiß, dass du all das Unglück, das über uns gekommen ist, überwinden und gesund bleiben wirst, ebenfalls die Kraft finden werde, durchzuhalten, damit wir danach wieder zusammen sein und wie zuvor unsere großen Aufgaben zum Wohl des Fortschritts fortsetzen können. Ich umarme dich, mein süßes Kind, und küsse dich. Elieser Ben Jehuda“

Ben Jehuda gewann mehrere Rabbiner für seine Sache, und zur Freude von Elieser und Hemda entschieden die Richter, ihn freizulassen. So kehrte er in den Schoß seiner Familie zurück. Das war sein Chanukka-Wunder.

In einem anderen Brief, gegen Ende des Jahres 1909, als Hemda auf einem Schiff in Ägypten war, schrieb sie ihm:

„Elieser, mein Geliebter, noch drei oder vier Tage trennen uns voneinander, und auch das wird vorübergehen. Ich denke, dass dieser Brief vielleicht vor mir bei dir ankommt. Ich schreibe diese Zeilen, weil unser Schiff zwei Tage in Alexandria und anderthalb Tage in Port Said bleibt. Das Schiff wird am Samstag im Hafen von Jaffa eintreffen. Es fällt mir sehr schwer, dort bis Sonntag zu bleiben. Kommst du am Samstag? Oder kannst du vielleicht nach Jaffa kommen, um mich abzuholen, und wir fahren dann am Sonntag zusammen zurück? Ich kann an solche süßen Worte kaum glauben. Ist dies wirklich der letzte Brief? Bis bald. Wenn du nicht nach Jaffa kommen kannst, dann telegrafiere vielleicht an K., ob ich am Samstag komme oder bis Sonntag bleibe. Er wird mir das Telegramm bei meiner Ankunft dort übergeben. Küsse und Grüße, deine Hemda“

Auch Itamar Ben Avi, Eliesers Sohn, schrieb auf den Seiten der Zeitung glühende Liebesbriefe an Leah Abushdid und drohte sogar mit Selbstmord, falls sie ihn nicht erhören würde (Link zur Liebesgeschichte von Itamar Ben Avi).

Ein Leben für die Sprache

Hemda verfügte über eine hohe Intelligenz, Entschlossenheit und Kühnheit. Von dem Augenblick an, als sie die Schwelle ihres neuen Hauses überschritten hatte, sprach sie Hebräisch: „Nach drei Monaten sagte ich Ben Jehuda, er könne nur noch Hebräisch mit mir sprechen, und ich würde ihm antworten, so gut ich könne, auf Hebräisch oder Russisch. Etwa zwei oder drei Monate lang sprachen wir diese Mischung aus zwei Sprachen, bis ich anfing, nur noch Hebräisch zu sprechen.“

Ben Jehudas Wörterbuch, „Wörterbuch der alten und neuen hebräischen Sprache“, erschien in 17 Bänden. Die Entstehung und Veröffentlichung des Werks erstreckte sich über mehr als fünfzig Jahre (1908-1959). Ben Jehuda erlebte nur die ersten fünf Bände; die übrigen erschienen nach seinem Tod. Hemda beschaffte sowohl das Geld für die Herstellung des Wörterbuchs als auch den Verleger.

Im Vorwort zum Wörterbuch schrieb Elieser Ben Jehuda: „Hier ist der Ort, allen zu danken, die mich bei diesem Werk geistig, moralisch oder materiell unterstützt haben, und ihnen aus tiefstem Herzen meine tiefe Dankbarkeit auszudrücken. An erster Stelle steht meine Frau und Gefährtin Hemda, die all die Jahre, vom ersten Augenblick ihrer Ankunft an meiner Seite, mit mir für das Wörterbuch gekämpft hat ... Neben ihrer Hilfe bei der eigentlichen Arbeit, wie ich bereits erwähnt habe, hat sie mich stets unterstützt und mir Mut gemacht. Sie ließ mich selbst in den schwierigsten und dunkelsten Stunden nicht verzweifeln, wenn ich glaubte, es gebe keine Hoffnung, jemals die für die Arbeit und den Druck erforderlichen finanziellen Mittel aufzubringen. Danach nahm sie mir die materiellen Sorgen vollständig ab, damit ich mich ganz der wissenschaftlichen Arbeit widmen konnte. Sie setzte sich dafür ein und überwand mit ihrer geistigen Kraft alle Hindernisse. Es gelang ihr, besondere Ausschüsse ins Leben zu rufen, die sich darum bemühten, die nötigen Mittel aufzubringen. Ohne sie wäre das Wörterbuch nicht erschienen.“

Elieser versuchte auch, Kindergeschichten zu schreiben, doch bald erkannte er, dass das Talent dafür gerade Hemda besaß: „Es ist ein Gebot der Stunde, dass die Frau in die hebräische Literatur einzieht. Nur sie kann Gefühl, Zartheit, Geschmeidigkeit und feine, wechselnde Nuancen in die tote hebräische Sprache einbringen [...] Schlichtheit und Genauigkeit statt übertriebener Rhetorik.“ In jenen Jahren gehörte Hemda Ben Jehuda zu den ersten drei hebräischen Schriftstellerinnen, zusammen mit Nechama Puchatschewsky und Devorah Baron. Sie war die erste Journalistin, die gegen Bezahlung beschäftigt wurde. Sie half bei der Redaktion der Familienzeitungen „HaSchkafa“, „HaZvi“ und „HaOr“, in denen sie ihre Geschichten veröffentlichte. Sie rief die erste Modekolumne in hebräischer Sprache ins Leben, redigierte und schrieb sie. Hemda erfand das Wort „Ofna“ als Alternative zum Wort „Moda“. Sie nannte es „Ofna“, abgeleitet von der Art und Weise, wie man sich kleidet.

Die Pionierin der hebräischen Mode

Ihre Enkelin Eliesera Ben Jehuda erzählte über ihre Großmutter, die erste Ikone der hebräischen Mode: „In vielerlei Hinsicht war sie ihrer Zeit weit voraus. Sie hatte einen hervorragenden Geschmack. Ich habe sie nie im Morgenmantel oder im Schlafanzug gesehen. Sie gehörte zu den Ersten, die sich die Haare färbten, und ging mit blauem Haar durch die Straßen des konservativen Jerusalem. Als sie mich 1949, etwa zwei Jahre vor ihrem Tod, in New York besuchte, war sie so unglücklich, weil die Hüftoperation, der sie sich unterzogen hatte, sie dazu zwang, ihre modischen Schuhe mit hohen Absätzen, die sie so sehr liebte, gegen bequeme Schuhe einzutauschen. In diesem Moment wollte sie sterben. So sehr liebte sie die Mode.“

1904 erschien in der Zeitung „HaSchkafa“ eine neue und bis dahin einzigartige Kolumne, die Hemda Ben Jehuda mit ihrem Pseudonym „Weiße Rose“ unterzeichnete. Ihre erste Kolumne begann sie so: „Zum ersten Mal in ihrem Leben hält die Mode Einzug in die hebräische Presse. Ängstlich und bang schreibe ich diese Zeilen. Wer wird sich nicht über mich lustig machen, wer wird nicht über mich lachen, wer wird mich nicht verurteilen? Und wer weiß, ob man mich nicht boykottieren wird?“ Sie wandte sich gegen den Brauch, Federn zu tragen: „Seit zwei Jahren wird in der Welt ein Kampf gegen die Federn geführt. Man schreit wie ein Kranich, es sei barbarisch, sich mit Federn zu schmücken, es sei unpassend für das schöne Geschlecht unserer Zeit und grausam. Schließlich werden den Vögeln und Geflügel ihre Federn, Flügel und Schwänze geraubt, und man rupft sie immer wieder, solange sie noch leben. Das bereitet den Unglücklichen schwere Schmerzen und Qualen ...“

Im Frühling empfahl sie, leichte, helle Kleidung zu tragen: „Frühling, Frühling! Wie viel Freude bringst du mit dir. Du kleidest nicht nur die Natur in fröhliche Farben, sondern lädst auch uns Herrschende, oder genauer gesagt: Herrscherinnen, dazu ein, den Winter in unseren Truhen und Schränken zu verstauen und den Frühling in leichten Kleidern und Hüten in den hellsten Farben zu begrüßen.“ Sie wandte sich gegen den Brauch, Kinder in prächtige Kleider zu stecken und sie anschließend zu bestrafen, weil sie diese schmutzig gemacht hatten: „Das Kind, oder genauer gesagt das Mädchen, versteht nicht, was die Qual des Ankleidens bedeutet. Man kann ihr das schönste, prächtig gearbeitete Kleid anziehen und ihr sagen, sie solle gut darauf aufpassen. Sie wird es versprechen, doch sobald sie nach draußen geht und zu ihren Freundinnen kommt, vergisst sie nach einem kurzen Augenblick des Stolzes all ihre Versprechen. Sie läuft zu einem Wasserbecken oder setzt sich auf den Boden ... Sie fällt hin und beschmutzt oder zerreißt ihr kostbares Kleid, und all das Geld und die Mühe waren umsonst. Deshalb ist der beste Rat für Mütter, ihre Kinder so einfach wie möglich anzuziehen und sie nicht ständig mit Geschrei und manchmal sogar mit Schlägen für ihre Streiche zu quälen.“

Das Erbe bewahren

Elieser Ben Jehuda starb im Dezember 1922, und Hemda blieb allein zurück: „Das Grab hat sich geschlossen. Der Wiederbeleber unserer Sprache ist nicht mehr bei uns und wird uns nicht länger alles geben, was wir in unserem täglichen hebräischen Leben brauchen. Wir sind vom Tisch unseres Vaters aufgestanden, und jeder von uns fühlt die heilige Pflicht, das hebräische Leben in all seiner Pracht fortzuführen.“ Hemda nahm es auf sich, das Lebenswerk Ben Jehudas weiterzuführen. Unter der Schirmherrschaft des Hochkommissars, mit dem Präsidenten der Zionistischen Organisation Chaim Weizmann als Vorsitzendem und Kommandant Kish (der Großvater von Yoav Kish) an der Spitze, gründete sie zu seinem Gedenken den „Treuhandfonds zum Gedenken an Elieser Ben Jehuda“. Die Fertigstellung des Wörterbuchs zog sich über viele Jahre hin und verlief mit Höhen und Tiefen. Nach einem Jahrzehnt wurde der Fonds aufgelöst, und Hemda machte allein weiter: „Ich allein trage die volle Verantwortung für die wissenschaftliche und äußere Qualität dieses Bandes.“ Zu diesem Zeitpunkt war erst der neunte Band fertig. Nach einer Reihe von Überzeugungsversuchen gelang es ihr, wichtige Persönlichkeiten für das Vorhaben zu gewinnen und die „Gesellschaft zur Fertigstellung des Wörterbuchs der hebräischen Sprache von Elieser Ben Jehuda“ zu gründen. An ihrer Spitze stand Professor Naftali Herz Tur-Sinai, ein hebräischer Linguist und Erforscher der Bibel und der semitischen Sprachen. Er übernahm es, die Veröffentlichung des Wörterbuchs zum Abschluss zu bringen; die übrigen Bände erschienen unter seiner Redaktion. Nach Hemdas Tod wurden die letzten drei Bände veröffentlicht. Der 14. Band, der erste, der nach ihrem Tod erschien, begann mit einer Anmerkung des Herausgebers Naftali Herz Tur-Sinai: „Am 26.8.51, während wir an diesem Band des ‚Wörterbuchs der alten und neuen hebräischen Sprache von Elieser Ben Jehuda‘ arbeiteten, wurde Frau Hemda Ben Jehuda von uns genommen, die große Frau, die ihrem großen Mann zur Seite stand und ihm ihren Geist und ihre Kraft für dieses Lebenswerk gab, das für sie das Allerheiligste war. Wir hofften, das Werk noch zu ihren Lebzeiten abschließen und ihr das fertige Wörterbuch vorlegen zu können, doch unsere Hoffnung erfüllte sich nicht, und trauernd stehen wir an ihrem Grab. Aber ihr Andenken begleitet uns bei dieser heiligen Arbeit und wird weder aus unserem Herzen noch aus dem Herzen ihres Sohnes Ehud verschwinden, dem ein langes Leben beschieden sei. Er stand ihr im Alter zur Seite, und ihm übertrug sie das Recht und die Pflicht, das Werk zu vollenden, das seine großen Eltern begonnen hatten.“

Ihre letzten Tage verbrachte Hemda in ihrem Haus in der Ein-Gedi-Straße 28 im Jerusalemer Stadtteil Talpiot, einem Haus, das später als „Ben-Jehuda-Haus“ bekannt wurde. Sie starb im Sommer 1951 im Alter von 78 Jahren und wurde auf dem Friedhof Sanhedria beigesetzt. Nach dem Sechstagekrieg wurde sie umgebettet und neben ihrem Mann auf dem Ölberg in Jerusalem beigesetzt. Auf ihrem Grabstein sind seine Worte eingraviert: „Mit deiner Hilfe: Mein Tag ist lang, mein Wirken gesegnet; stark ist mein Leben, standhaft meine Kraft, und mein Lebenssaft ist nicht versiegt.“

Fotos dieser Geschichte: חמדה בן יהודה
מצבתה של חמדה בן יהודה בהר הזיתיםצילום: מרכז מידע הר הזיתים, ויקישיתוף