Eines Morgens erwacht ein Mönch aus angesehener Familie, tritt zum Judentum über, führt seine Gemeinde zum Übertritt und wandert ins Land Israel aus. Die Geschichte dieser Gemeinde verwebt sich mit den Geschichten der Pioniere im Land. Abraham Korkin

Die Chasaren und das Judentum

Die Anfänge der Proselyten in Russland werden einem der faszinierendsten Reiche des Mittelalters zugeschrieben - dem Chasarenreich. Fast 400 Jahre lang, vom 7. Jahrhundert bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts, war Chasarien ein mächtiges Regionalimperium. Es erstreckte sich vom Gebiet nördlich des Kaspischen Meeres bis zur Küste des Schwarzen Meeres, umfasste die Krim und reichte bis an die Nordhänge des Kaukasus. Auf dem Höhepunkt seiner Macht war das Reich ein kultureller und wirtschaftlicher Knotenpunkt sowie ein Zentrum militärischer und politischer Macht. Doch das Merkmal, das tiefe Spuren in der Geschichte hinterließ, war ausgerechnet die Entscheidung der chasarischen Herrscher, das Judentum als offizielle Religion anzunehmen.

Viele Überlieferungen zufolge machte dieser Schritt sie zu Vorfahren eines Teils der russischen Juden und sogar einiger aschkenasischer Gemeinden. Manche glauben sogar, die Chasaren hätten sich als Nachfolger des biblischen Stammes Dan betrachtet, der auf der Suche nach einer neuen Heimat durch die Länder zog.

Die Subbotniks und die Molokanen

Jahrhunderte später trat eine andere, nicht minder geheimnisvolle Gemeinschaft auf den Plan - die Subbotniks. Noch als Christen begannen sie, den Sabbat zu heiligen, und erhielten deshalb diesen Namen, der vom Wort »Schabbat« stammt. Anfangs beschränkten sich die Subbotniks darauf, den Ruhetag zu heiligen, doch nach und nach übernahmen sie weitere Gebote des Judentums: Sie begannen, die Speisegesetze einzuhalten, und nahmen sogar ausgeprägte Bräuche der jüdischen Gemeinde an. Einige gingen noch einen Schritt weiter, konvertierten tatsächlich zum Judentum und wanderten sogar ins Land Israel aus. Zu den bekanntesten unter ihnen gehörte die Mutter von Alexander Zaid, dem Kämpfer und Gründer der Organisation »HaSchomer«. Ein weiterer bekannter Name ist Joav Dubrowin, Gründer des Landguts Dubrowin in Yesud HaMa'ala.

Im 18. Jahrhundert trat eine weitere Bewegung auf den Plan - die »Duchoboren« oder »Geisteskämpfer«. Sie vertraten einen religiösen Anarchismus, lehnten die Autorität von Kirche und Staat ab und ihre religiösen und sozialen Ideale übten Ende des 19. Jahrhunderts eine besondere Anziehungskraft auf Kreise des russischen Adels aus. Ihre pazifistischen und gemeinschaftlichen Ideen wirkten inspirierend, bis um das Jahr 1900 viele von ihnen Russland verließen und massenhaft nach Kanada auswanderten. Dort gründeten sie Genossenschaftsgemeinden, die im Geist ihres Glaubens lebten.

Doch schon zuvor, in den Jahren 1779-1780, entstand aus den Duchoboren eine weitere Untergemeinschaft - die Molokanen (»Milchtrinker«, vom russischen Wort moloko; diesen Namen erhielten sie, weil sie auch an christlichen Fastentagen Milch tranken). Mit der Zeit entwickelte sich unter ihnen eine besondere Strömung, die »Molokan-Subbotniks«, die den Sabbat und einen Teil der jüdischen Gebote befolgten. Auch sie wurden, wie ihre geistigen Nachbarn, von den russischen Behörden verfolgt. Verbannungsdekrete verschlugen sie in den Kaukasus, doch weitere Wanderungszüge führten sie bis nach Turkmenistan, Iran, in die Vereinigten Staaten, nach Mexiko, Australien und Brasilien.

Ihre Bräuche machten sie den Juden verblüffend ähnlich: Sie aßen kein Schweinefleisch, achteten auf koschere Schlachtung und trugen in einigen Gemeinden sogar Tefillin und Zizit und brachten Mesusot an den Türpfosten ihrer Häuser an. Viele ließen auch ihre Söhne beschneiden. Dennoch blieb der Unterschied zwischen ihnen grundlegend: Die meisten bewahrten weiterhin ihre christliche Identität, während eine Minderheit sich für die Konversion entschied. Das führte zu großer Verwirrung: Unter den russischen Juden und den Einwanderern nach Israel vermischten sich Subbotniks, die Christen geblieben waren, mit tatsächlichen Proselyten, sodass sich die Grenze nicht immer erkennen ließ und die Proselyten deshalb als Subbotniks bezeichnet wurden.

Abraham Korkin konvertiert

Unter all den Gestalten der Proselyten in Russland ragt Abraham Korkin besonders hervor. Seine Lebensgeschichte gehört zu den faszinierendsten, dramatischsten und beispielhaftesten Geschichten jüdischer Pionierarbeit. Korkin wurde 1822 in eine wohlhabende Adelsfamilie im Gouvernement Astrachan hineingeboren, einer weitläufigen Region im Südwesten Russlands rund um das Wolgadelta, einem Gebiet, das einst zum Chasarenreich gehört hatte. Er wurde auf den Namen Agafon Iwanowitsch Korkin getauft. Das Wappen seiner Familie zeigte gekreuzte Schwerter, eine Anspielung auf den Familiennamen Korkin, der vermutlich vom Wort kora (Schwert) stammt. Schon als Kind, nachdem er seine Mutter verloren hatte, schickte ihn sein Vater in ein Kloster, damit er zum Priester ausgebildet würde. Die Jahre vergingen, und der Junge wurde zu einem hochrangigen Geistlichen, zum Klostervorsteher und Priester, der für die Kirchen im Gouvernement Astrachan zuständig war. Sein Vater, so wird angedeutet, gehörte zu den Gestalten, die Tolstoi bei der Schaffung der Figur des Fürsten Anatol Kuragin oder Karakin in seinem Werk »Krieg und Frieden« inspirierten.

Doch Korkins ganze Welt veränderte sich schlagartig. Im Jahr 1847, als er gerade einmal 25 Jahre alt war, wandelte sich sein Leben nach einer erschütternden Vision von Grund auf. Eines Tages, als er auf dem Weg war, die Kirchenglocken zu läuten, wurde ihm plötzlich schwarz vor Augen. Er ging immer wieder die Treppen hinauf und hinunter, fand aber den Weg nicht. Erschöpft setzte er sich auf eine Stufe und begann verzweifelt, Psalm 91 zu sprechen. Dreimal wiederholte er die Worte: »Wer im Schutz des Höchsten wohnt, der ruht im Schatten des Allmächtigen.« Plötzlich wurde ihm wieder hell vor Augen. Korkin begriff, dass dies kein Zufall, sondern ein Zeichen vom Himmel war: Er musste dem Christentum entsagen und seine Seele zum Judentum zurückführen. Seinen Angehörigen erzählte er: »Das ist kein bloßer Zufall, es ist ein Zeichen Gottes. Vom Himmel wurde mir gezeigt, dass am Christentum nichts Wahres ist und dass man zum Glauben Israels zurückkehren muss.« Von da an wurde Korkin zu einem kühnen Denker, der es wagte, die verbotenen Fragen laut zu stellen: »Warum sollen wir an eine falsche Religion glauben? Wie können wir an eine Mutter Gottes und an einen Sohn Gottes glauben, der vom Heiligen Geist geboren wurde - etwas, das der Natur widerspricht? Wie kann es eine neue Tora geben, die voller Widersprüche ist?«

Korkins Charisma zeigte Wirkung. Es gelang ihm, nicht nur seine engste Familie, sondern noch Dutzende weitere Familien zu überzeugen. Schließlich erklärten sich 163 Menschen - Männer, Frauen und Kinder aus 37 Familien - bereit, zum Judentum zu konvertieren, und beschlossen, eine »Vereinigung der Religion Israels« zu gründen. Die russische Regierung betrachtete dies als Verrat, und die junge Gemeinde musste von Dorf zu Dorf ziehen, verfolgt und zugleich gestärkt. Unterwegs begegneten sie Gemeinden christlicher Sabbatbeobachter und weiteren zum Judentum Übergetretenen.

Auf ihren Wanderungen wandten sie sich an Rabbi Israel Pibuwar, der sie unter seinen Schutz nahm und sie in den Grundlagen des Judentums zu unterrichten begann, etwa darüber, was eine Synagoge ist, sowie über die Speisegesetze und die rituelle Reinigung in der Mikwe. Von dort zogen sie weiter nach Wilna, wo sie anderthalb Jahre blieben. Dort fand ein entscheidender Schritt statt: die Beschneidungszeremonien für die Männer. Damals gab es keine Betäubungsmittel, und die Erwachsenen mussten entsetzliche Schmerzen ertragen. Sie wurden festgebunden, damit sie vor Schmerz nicht unkontrolliert um sich schlugen. Abraham Korkin jedoch weigerte sich entschieden, sich fesseln zu lassen, aus Angst, es könnte so aussehen, als sei er zur Konversion gezwungen worden. Er bestand darauf, die Qualen tapfer zu ertragen. Danach setzten sie ihre Wanderung bis ins litauische Kowno fort. Dort vollendete Rabbi Jitzchak Elchanan Spektor, Oberrabbiner der Stadt, den Konversionsprozess und nahm sie sogar in seine Jeschiwa auf. So entstand eine neue, stolze und gequälte Gemeinschaft wahrer Proselyten.

Doch die Heldengeschichten der Proselyten in Russland endeten nicht mit Korkin. Siebzig Jahre später, im Jahr 1921, ereignete sich ein nicht minder dramatischer Vorfall. Rodion Trefimowitsch Agajew, ein 37-jähriger Bauer und ehemaliger Kampfoffizier in der Armee des Zaren Nikolaus, ging allein ans Ufer des zugefrorenen Dnepr, unweit der Stadt Odessa. Er war Vater von drei kleinen Kindern und Anführer einer kleinen, umherziehenden Gemeinde aus einigen Familien. An jenem Tag holte er eine Flasche Wodka aus seinem Rucksack, nahm einen langen Schluck und tauchte dann ein Rasiermesser hinein. Er zog seine Oberkleidung aus, murmelte ein leises Gebet und beschnitt sich mit einer scharfen, entschlossenen Bewegung selbst. Das Blut floss, der Schmerz brannte, doch er verband die Wunde mit einem in Alkohol getränkten Verband, trank noch etwas Wodka und vollendete die Tat. In sein Tagebuch schrieb er: »Heute, am 22. Februar 1921, habe ich das zweite Gebot Gottes erfüllt.« Agajew blieb nicht dabei. In den folgenden Wochen wurde er nicht nur zum Anführer seiner Gemeinde, sondern auch zu ihrem Beschneider. Mit eigenen Händen beschnitt er etwa 50 Männer und Jungen, darunter seine drei Söhne, seine beiden Brüder, Verwandte und Nachbarn. Er machte aus der gesamten orthodox-christlichen Gemeinde eine Gemeinschaft jüdischer Konvertiten, die sich auf die große Reise nach dem Ruf des biblischen Abraham vorbereitete: »Geh aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde.« Agajews Gemeinde war keine Einzelerscheinung. Sie war nur eine von Dutzenden ähnlichen Gemeinden, die über Jahrhunderte in Russland entstanden und danach strebten, zum Glauben Israels zurückzukehren, manchmal unter schrecklicher Selbstaufopferung. Die Geschichten von Korkin und Agajew sind nicht bloß historische Anekdoten, sondern ein lebendiges Zeugnis der Suche nach einer neuen Wahrheit, die sie von den Leiden des Alltags jener Zeit erlösen sollte - selbst unter Verfolgung, Qualen und Verboten.

Die Proselyten in Hadera und Sejera

Abraham Korkins Geschichte endete nicht mit seinen Wanderungen in Russland und der Konversion seiner Gemeinde. Auch im neuen Land begleitete er seine Söhne und Töchter, doch nicht alle seine Kinder entschieden sich, seinem Weg zu folgen. Zwei seiner Söhne weigerten sich, zum Judentum zu konvertieren, überquerten den Ozean und wanderten in die Vereinigten Staaten aus. Sie blieben Christen, und selbst als sie ihrem Vater in schweren Notzeiten helfen wollten, wies Korkin sie ohne Zögern zurück. Für ihn waren sie seiner neuen Lebensrichtung fremd. Ein weiterer Sohn, Jakob, konvertierte, entschied sich aber für ein Leben auf Distanz. Er zog nach London und änderte seinen Namen in Friedman. Die übrigen Söhne und seine Tochter konvertierten und blieben bei ihm. 1897 kam Abraham mit seiner Familie und seinen Anhängern nach Odessa. Dort bat er die »Chowewe Zion« um Hilfe, deren führende Persönlichkeiten eine zentrale Rolle in der Geschichte des Zionismus spielten: Meir Dizengoff, später Bürgermeister von Tel Aviv, und Dr. Hillel Jaffe, Arzt der Kolonien. Die beiden halfen ihnen, ins Land Israel auszuwandern.

1898 kamen die Proselyten nach Hadera, wo sie auf eine andere Gemeinschaft von Proselyten trafen, die ihnen drei Jahre voraus war. Ihre Aufnahme in Hadera verlief nicht einfach. Die alteingesessenen Siedler hatten das Gefühl, die neue Gemeinde sei ihnen aufgezwungen worden, vor allem, weil sie auf Initiative von Dr. Hillel Jaffe gekommen war, dem Arzt der Kolonie, der auch zu ihrem Leiter ernannt worden war. Die Einheimischen hatten Schwierigkeiten, die Proselyten anzunehmen, nicht nur wegen ihrer Andersartigkeit, sondern auch, weil sie genau das verkörperten, wonach die Siedler strebten: fleißige und sachkundige Bauern. Dr. Hillel Jaffe beschrieb sie voller Bewunderung: »Die Proselyten haben die Lage gerettet. Dank ihrer Arbeit, ihrer Ausdauer, ihrer geringen Ansprüche und ihrer Geduld hatten sie Erfolg. Sie sind sehr gute Juden, von ganzem Herzen der Religion ergeben, bereit, unter den Juden aufzugehen und in diesem Land zu leben und zu sterben. Sie sind vorbildlich ... Solche Menschen brauchen wir.« Auch Hillel Jaffes Frau bezeugte, dass ihr Mann in den Proselyten einen Vorteil sah: »Dr. Jaffe sagte, das Blut der Juden, das durch Generationen von Verwandtenehen geschwächt worden sei, werde keinen Schaden nehmen, wenn es sich mit christlichem Blut vermische.«

Die Proselyten selbst verlangten nichts, weder Häuser noch Erleichterungen. Sie begnügten sich mit der Erlaubnis, mit eigenen Händen Hütten zu bauen, und verpflichteten sich, diese jederzeit zu räumen, wenn man es von ihnen verlangte. Dieses Verhalten hob sie von den örtlichen Siedlern ab, die sich zu Recht über die Schwierigkeiten beklagten, nun aber plötzlich den »fleißigen Proselyten« gegenüberstanden, die sich überhaupt nicht beschwerten. Hinzu kam, dass sie landwirtschaftliche Kenntnisse aus Russland mitbrachten, die nicht zu den in den Kolonien festgelegten Anbaumethoden passten, was weitere Spannungen verursachte. Schließlich sagte Dr. Jaffe zum Komitee: »Lasst sie säen, was sie wollen, solange sie ihre Zeit nicht vergeuden.« Vor allem aber schwebten ständig Zweifel über ihrer jüdischen Identität. Obwohl sie alle Gebote genau einhielten, wurde ihnen vorgeworfen, sie seien nichts als »Subbotniks« - Christen, die lediglich den Sabbat hielten, aber keine wirklichen Juden. Drei Jahre später verließen die Proselyten angesichts der Spannungen und Schwierigkeiten Hadera und zogen nach Sejera, dem heutigen Ilaniya. Das Land in Sejera war bereits 1890 von einer Gruppe Juden aus Rishon LeZion und Jerusalem erworben worden, doch der Versuch scheiterte. Neun Jahre später kaufte es die JCA (Jewish Colonization Association, die Baron Hirsch gegründet hatte, um landwirtschaftliche Ausbildungshöfe für Einwanderer zu errichten). Erster Leiter der Ausbildungsfarm war Chaim Margaliot Kalvarisky, nach dem der Ort Margaliot in Galiläa benannt ist; später löste ihn Eliahu Krause ab. Die Familie Korkin und weitere Familien von Proselyten fanden sich am Ort gut ein. 1903 wurden 21 in Sejera ausgebildete Arbeiter, darunter Korkins Söhne, zur Arbeit nach Beit Gan bei Tiberias geschickt. Dort bildeten die Proselyten einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung. Einige hielten den Schwierigkeiten stand, andere zerbrachen daran und kehrten nach Russland zurück.

1906 kam ein neuer Leiter in die Kolonien Galiläas, namens Rosenhek, der den Proselyten feindselig gegenüberstand. Er hielt sie für rückständige Bauern, die in den Kolonien keinen Platz hätten, und ordnete ihre Zerstreuung an - ein Schritt, der Zorn auslöste. Dr. Hillel Jaffe protestierte gegen die Entscheidung und schrieb: »Es wäre eine beispiellose Ungerechtigkeit, sie an ihrer Arbeit zu hindern. Das wäre nicht nur eine Behinderung für sie, sondern für die gesamte jüdische Besiedlung ... Man darf keine Sekten und Gruppen schaffen, sondern muss ihnen mit Respekt begegnen.«

Die Proselyten, die verstanden hatten, dass ihr Fleiß Neid und Hass hervorrief, begannen ebenfalls, sich zu beklagen, wie der Historiker Josef Klausner beschrieb - nur um den Zorn der jüdischen Bauern von sich abzuwenden. Mit der Zeit glichen sich die Verhältnisse jedoch aus. Die Bauern lernten, gute Landwirte zu werden, und die Kinder der Proselyten wuchsen an ihrer Seite auf, bis sie ihnen in jeder Hinsicht gleich waren. Als der Moschaw Mishmar Hashlosha bei Yavne'el gegründet wurde, gehörten die Nachkommen der Proselyten zu seinen Gründern und waren gleichberechtigt.

Fotos dieser Geschichte: אברהם קורקין
המושבה יבנאל ממבט אווירצילום: Ben Herzberg, CC BY-SA 3.0, ויקישיתוף

Die Wache und das Erbe

Neben der Landwirtschaft leisteten die Proselyten auch einen Beitrag zum Schutz. Noch vor der Gründung der Organisation »HaSchomer« organisierte Jitzchak Korkin gemeinsam mit seinem Sohn Reuveka den Wachdienst in Beit Gan und holte dafür sephardische Wächter aus Tiberias, Beduinen und Tscherkessen. Als 1912 die Organisation »HaSchomer« gegründet wurde, schlossen sich ihr auch Mitglieder der Familie Korkin an.

Die Proselyten wollten vollständig in der jüdischen Gemeinschaft aufgehen. Die Heirat mit Juden »aus dem Samen Abrahams« galt ihnen als höchstes Ziel, auch wenn dies in den ersten Generationen nicht immer möglich war. Abraham Korkin selbst bekannte schmerzlich: »Ich habe alles getan, um ins Judentum aufgenommen zu werden, und doch bin ich nicht wie einer aus dem Samen Abrahams. Mein einziger Trost ist, dass in den Adern meiner Enkel, wenn sie den Bund mit dem Volk Israel eingehen, auch das Blut Abrahams fließen wird.«

Seine Nachkommen erfüllten seinen Wunsch. Während der Mandatszeit und im Unabhängigkeitskrieg beteiligten sie sich an den Verteidigungsanstrengungen. Sein Enkel Abraham Avigdorow erhielt die »Tapferkeitsauszeichnung« für eine Kampfhandlung in Kirjat Motzkin. Menachem Korkin, ein weiterer Enkel, fuhr mit den 23 Kämpfern in einem Boot und verschwand in Syrien. Rafael Cohen, der Sohn von Devorah Korkin, fiel im Kampf um Lubya in Galiläa. Ihre Namen sind, neben vielen weiteren, im Buch des Heldentums des Volkes verewigt.

Abraham Korkin wurde sehr alt und starb 1926, wahrscheinlich im Alter von 104 Jahren. Seine Vision ging in Erfüllung, und seine Nachkommen gingen im Volk auf. Einige änderten ihren Familiennamen in Jitzchaki und Avidan und wurden zu einem untrennbaren Teil der israelischen Gesellschaft. Sie kämpften, fielen, bauten und gründeten - genau wie es sich der Begründer der Bewegung der Proselyten im Gouvernement Astrachan gewünscht hatte, der vor sich sah, wie seine Enkel und Urenkel »den Bund mit dem Volk Israel eingehen«.

Der verstorbene Oberstleutnant Jossi Korkin, der beim Unglück der Shayetet ums Leben kam, war ein Nachkomme in fünfter Generation. Ein weiterer Nachkomme der Familie, der verstorbene Menachem Korkin, gehörte zu den Gefallenen der 23 Bootsfahrer. Ich stamme aus der Familie Korkin, aus dem Zweig von Moshe Korkin.

Wer ist Rafael Cohen?

Devorah Korkin (meine Urgroßmutter) hatte nur eine Tochter, namens Ruth Korkin (meine Großmutter).

Derjenige, der im Kampf um Lubya fiel, war ihr Schwiegersohn Jehoschua Rogatschewski, Regev (Regev), mein Großvater, der Ruth heiratete. Mein Bruder ist nach ihm benannt: Shuki Regev.

Avital Regev: Devorah Korkin ist die Schwester meines Großvaters sowie von David, Efraim und weiteren Geschwistern. Sie hatte Zwillinge, Sarah und Rafael, und ihr Nachname nach der Heirat lautete Cohen. Rafulik fiel im Unabhängigkeitskrieg, und Sarah'le Ariav lebte in En Harod.