Er war eine einzigartige und vielschichtige Persönlichkeit. Ein observanter Jude und einer der Gründer von „HaTzofe“, aber auch Aktivist in der Organisation „Brit Schalom“, die an ein Zusammenleben glaubte. Ein leidenschaftlicher Zionist, aber auch ein scharfer Kritiker der zionistischen Politik. Feminist, Vegetarier, Humanist und Pazifist, aber zugleich Patriot und Pionier beim Aufbau des Landes.

Die Vision einer jüdisch-arabischen Partnerschaft

„Liebe den Bewohner des Landes, denn er ist dein Bruder, dein eigenes Fleisch und Blut, wende dich nicht von ihm ab. Deinem eigenen Fleisch und Blut sollst du dich nicht entziehen ... Und wenn sich Gleiches zu Gleichem gesellt, wird es eins.“ So schrieb 1907 ein 27-jähriger Mann, noch bevor er ins Land Israel ausgewandert war. Er forderte die Juden nicht nur dazu auf, die Araber willkommen zu heißen, sondern schlug sogar vor, dass Juden und Araber untereinander heiraten sollten. Dieser Mann war Jehoschua Radler-Feldman, bekannt als R. Benjamin. Seine Lebensgeschichte begann mit einer ungewöhnlichen feministischen Entscheidung: Er fügte seinem Familiennamen Radler den Familiennamen seiner Mutter, Feldman, hinzu. Im 19. Jahrhundert war das ein seltener revolutionärer Schritt.

1921 wurde sein enger Freund J. H. Brenner während der Unruhen von 1921 in Jaffa ermordet, und R. Benjamin trug seinen Sarg. Gemeinsam hatten sie in London die legendäre Zeitschrift „HaMeorer“ gegründet und den größten Teil der ersten Hefte selbst geschrieben. Um diese Tatsache zu verbergen, legten sie sich Pseudonyme zu: Brenner nannte sich Bar Jochai, und Radler-Feldman wählte den Namen „R. Benjamin“. Dieser blieb ihm bis an sein Lebensende. Seine Wahl erklärte er so: „Er erinnerte mich an den Namen meines Großvaters, Rabbi Bunam seligen Angedenkens, der mir teuer war (ein familiärer Hinweis). Und er erinnerte mich an Benjamin, den reisenden Wanderer (ein Hinweis auf meine Lage). Vor allem aber erinnerte er mich an die Gestalt R. Benjamins in Mendele Mocher Sforims wunderbarer Erzählung ‚Lo nachat be-Jaakov‘, die mir damals lieb geworden war (ein literarischer Hinweis).“ S. J. Agnon lobte ihn dafür: „Bei Schriftstellern ist es üblich, sich mit ihren nichtjüdischen Titeln zu schmücken: Ist einer Professor, stellt er seine Professur zur Schau, und ist er Doktor, versieht er seine Artikel mit seinem Doktortitel. Doch einen Schriftsteller, der sich mit einem Titel bezeichnet, mit dem ein rechtschaffener Jude von seinen Brüdern angesprochen wird, hat es noch nicht gegeben. Bis R. Benjamin kam und sich R. Benjamin nannte.“ 1907 veröffentlichte R. Benjamin den Aufsatz „Mas'a Arav“, der die pansemitische Idee zum Ausdruck brachte, die ihn sein ganzes Leben lang begleitete. Als er ihn schrieb, organisierte er in Rumänien eine landwirtschaftliche Ausbildung und war noch nicht ins Land eingewandert. R. Benjamin war Rabbiner und kannte natürlich die Verbote aus dem Buch Deuteronomium: die Völker, mit denen man nicht heiraten durfte (Hetiter, Girgaschiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter), sowie das strenge Verbot für Ammoniter und Moabiter, in die Gemeinde des Herrn aufgenommen zu werden. Aber er kannte auch die Wirklichkeit der Bibel selbst: Der Messias aus dem Hause David, auf den wir hoffen, ist das Ergebnis von Mischehen, und zwar nicht irgendwelchen Ehen, sondern Ehen mit drei der Völker, mit denen eine Heirat verboten ist.

Zunächst war Brenner dagegen, den Aufsatz in der Zeitschrift zu veröffentlichen, und argumentierte, R. Benjamin verstehe nicht, dass die Araber unsere Feinde seien. Trotzdem blieb R. Benjamin dieser Vision bis an seinen letzten Tag treu.

Von Zborów über Berlin nach London

Jehoschua Radler-Feldman wurde am 23. Mai 1880 in Zborów in Galizien geboren, das damals unter der Herrschaft des österreichisch-ungarischen Kaisers Franz Joseph stand. In seinen Erinnerungen „Von Zborów bis Kinneret“ entwarf er ein nostalgisches Bild: „Es waren die Zeiten Franz Josephs, Wilhelms und Nikolaus'. Zeiten des Glücks und des Wohlstands, der Ruhe und der Sicherheit.“ Er beschrieb eine Welt, in der „ringsum Stille herrscht. Es gibt weder Aufruhr noch Revolution noch Erhebung. Die Weltordnung steht fest, und jeder bleibt in seinem Lager, seinem Stand und seiner Umgebung ... Es gibt weder Zwist im Innern noch Streit von außen.“ Seine Kindheit im Vielvölkerreich prägte sein liberales und multikulturelles Weltbild.

1901, im Alter von 21 Jahren, reiste er nach Berlin und studierte an der Landwirtschaftlichen Hochschule, gemeinsam mit Persönlichkeiten wie Professor Volcani, die später zu führenden Köpfen des Jischuw wurden. Zugleich schloss er sich der zionistischen Gruppe der Stadt an und veröffentlichte 1902 seinen ersten Artikel, „Abgerissene Notizen“, über die große Auseinandersetzung zwischen Herzl und Achad Ha'am. Herzl befürwortete die sofortige Gründung eines jüdischen Staates, gleichgültig wo, während Achad Ha'am glaubte, dass ein politischer Staat ohne den vorherigen Aufbau einer kulturellen Grundlage wurzellos wäre. Zusammen mit seinen Freunden Lin und Gontzer gründete R. Benjamin die illustrierte Monatszeitschrift „HaKeshet“ - die erste illustrierte Zeitschrift in hebräischer Sprache.

1906, nach Abschluss seines Studiums, zog er nach London. Bei einem Ball in der Stadt begegnete er J. H. Brenner, der stürmisch in den Saal kam, zusammen mit einer Gruppe Revolutionäre von „Poale Zion“. Kurz darauf gründeten die beiden die Zeitschrift „HaMeorer“.

Die Bedeutung von „HaMeorer“ lässt sich kaum überschätzen. Es war eine neue Literaturzeitschrift in hebräischer Sprache, und das zu einer Zeit, als andere hebräische Zeitschriften wie „HaShiloach“ wegen der Zensur in Russland nach der ersten Revolution eingestellt wurden. „HaMeorer“ hielt die Fahne der hebräischen Sprache hoch, als diese in Not war. Ihr Einfluss auf die Leser war erstaunlich; man kann sogar sagen, dass jeder, der die Zeitschrift in die Hände bekam, Schriftsteller wurde oder es werden wollte. Und tatsächlich erreichte die Zeitschrift ihr Ziel: Sie regte die Menschen zum Denken und Schaffen an. Zwei Jahre lang war „HaMeorer“ die einzige erscheinende Zeitschrift und bildete ein Gegengewicht zur europäischen Kultur.

Die Einwanderung und Kinneret

1907 wanderte R. Benjamin im Rahmen der Zweiten Alija ins Land Israel ein und begann in Petach Tikwa als Landarbeiter zu arbeiten. Er wurde zum ersten Sekretär des Hebräischen Gymnasiums Herzlija in Tel Aviv ernannt. Als er zurücktrat, kam der Agronom Berman zu ihm und bot ihm an, Sekretär der neuen Siedlung zu werden, die am Ufer des Sees Genezareth gegründet werden sollte: „Man will auf dem Land des Jüdischen Nationalfonds in Dalijja, am Ufer des Sees Genezareth, in der Nähe von Tiberias, eine Lehrfarm gründen. Das ist die erste Siedlungsaktion der Zionistischen Organisation in Galiläa.“ Trotz der Warnungen vor den Schwierigkeiten des Ortes (Beduinen, Malaria, die Entfernung zu jeder Siedlung und dergleichen) sagte R. Benjamin sofort zu.

Sein erster Beitrag war die Wahl des Namens: Nach einer Beratung mit seinem Mitbewohner und Freund S. J. Agnon wurde der Name „Kinneret“ gewählt. Die Landschaft verzauberte ihn. „In der ersten Nacht in der abgelegenen Siedlung wusste ich: Wir sind weit entfernt von Menschen und Städten, umgeben von Meer und Bergen. Zu dieser Stunde kommt es mir vor, als befände ich mich in Robinson Crusoes Heimstatt, genauer gesagt auf den isländischen Inseln, mitten unter einer Schar Seeräuber und Eroberer eines Kontinents.“

In Kinneret kam es zu einem Konflikt zwischen einer Gruppe von Arbeitern der Zweiten Alija und dem Verwalter Berman, und R. Benjamin fungierte als Schlichter: „Und zwischen diesen beiden Parteien wandelte er als Dritter. Vielleicht hatten ihn die Männer des Palästina-Büros eigens hierhergeschickt, damit er zwischen ihnen stehe, Zusammenstöße verhindere, vermittle und sie versöhne.“

Eines der bedeutendsten und umstrittensten Vorhaben, an denen er beteiligt war, war die Organisation der Einwanderung der Juden aus dem Jemen. Im Palästina-Büro hielt man die Jemeniten irrtümlich für natürliche Landarbeiter, die den harten Bedingungen des Landes gewachsen wären und ihm Ertrag abringen könnten. Arthur Ruppin schrieb in seinen Erinnerungen, R. Benjamin habe die Idee angestoßen, doch dieser wies die Anerkennung zurück und erklärte, es sei eine gemeinsame Initiative gewesen. Schmuel Yavne'eli wurde als Gesandter ausgewählt, um sich auf die lange und gefährliche Reise zu den Gemeinden im Jemen zu machen. R. Benjamin kümmerte sich um alle logistischen Fragen: die Festlegung der Route, das Tarnschreiben, die Organisation der Beförderung der Einwanderer ins Land und den Aufbau der Infrastruktur für ihre Aufnahme. Als Max Bodenheimer, damals Vorsitzender des Jüdischen Nationalfonds, ihn um eine Broschüre zur Spendensammlung bat, verfasste R. Benjamin einen poetischen Text. Die Broschüre wurde verbreitet und war ein überwältigender Erfolg. Sie wurde in mehrere Sprachen übersetzt, in Zehntausenden Exemplaren verbreitet und brachte rund eine Viertelmillion Francs ein - eine sagenhafte Summe für den Jüdischen Nationalfonds.

Die Einwanderung der Jemeniten erfüllte die Erwartungen hinsichtlich ihrer Eingliederung als Arbeiter und Kämpfer, legte aber auch die dunklen Seiten des Jischuw offen. Die Einwanderer erlebten unverhohlene Diskriminierung und Demütigungen. R. Benjamin schrieb schmerzlich in seinen Erinnerungen: „Die Jemeniten haben nicht enttäuscht. Enttäuscht haben die führenden Männer des Jischuw, die sie zu Bürgern und Arbeitern zweiter, niedrigerer Klasse werden ließen. Menschen, die die Demokratie im Munde führten, versäumten diese große Pflicht und erfüllten sie nicht in der Praxis.“ Er beschrieb die Diskriminierung ausdrücklich: „Zu unserem großen Leid gab es sie tatsächlich. Jahrelang fuhren zunächst die Aschkenasim und erst zuletzt die Jemeniten. Diese Praxis hielt sich in vielen Siedlungen über Jahre. Auch bei den Löhnen gab es Unterschiede.“

Trotz seiner Enttäuschung liebte R. Benjamin die Einwanderer aus dem Jemen von ganzem Herzen und beschrieb in seinem Buch ihre außergewöhnlichen Eigenschaften; sie erwiderten seine Zuneigung. Ohne sein Wissen wählten sie ihn zu ihrem Vertreter im Nationalrat - eine für einen Aschkenasi zu jener Zeit höchst seltene Ehre.

Zwischen »HaHed« und »Brit Schalom«

R. Benjamin gehörte zum innersten Kreis des religiösen Zionismus. Siebenundzwanzig Jahre lang, von 1926 an, war er Herausgeber der Monatszeitschrift „HaHed“, die das ultraorthodoxe Publikum der zionistischen Idee und den nationalen Fonds näherbringen sollte. Träger und Geldgeber der Zeitschrift war die „Abteilung für Propaganda unter den Ultraorthodoxen“, die gemeinsam vom Jüdischen Nationalfonds und dem Keren Hajessod gegründet worden war. Der Gründer von „HaHed“ war Rabbi Chanokh Henich Bornstein. Er wurde in Polen als Sohn des Rebbes von Sochatchow (des Verfassers von „Schem MiSchmuel“) und als Enkel des Begründers der Dynastie (des Verfassers von „Avnei Nezer“) geboren. Chanokh wanderte 1924 ins Land ein, näherte sich zionistischen Kreisen an und war an der Gründung des Viertels Beit VaGan beteiligt. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Angestellter in den Büros des Jüdischen Nationalfonds; abends gab er zusammen mit R. Benjamin „HaHed“ heraus. Er führte ein schlichtes Doppelleben: tagsüber als öffentlicher Angestellter, abends als Herausgeber einer religiösen Zeitschrift. Nach dem Holocaust, als er von der Ermordung seines Bruders erfuhr, wurde er Rebbe von Sochatchow, arbeitete aber weiter beim Jüdischen Nationalfonds und gab die Zeitschrift bis zu seinem Rücktritt 1953 heraus. Die zweite wichtige Persönlichkeit war Rabbi Jeschajahu Schapira (der Pionier-Rebbe), Bornsteins Schwager. Schapira, ein Spross chassidischer Dynastien und Mitbegründer von „Mizrachi“ in Polen und „HaPoel HaMizrachi“ im Land, war eine Schlüsselfigur im religiösen Siedlungswesen.

R. Benjamin betrachtete „HaHed“ als eine Mission: das ultraorthodoxe Publikum, aus dem er selbst hervorgegangen war, dem zionistischen Unternehmen näherzubringen. Dabei ging er geschickt vor und bediente sich einer Sprache und Inhalten, die den Lesern vertraut waren. Er war außerdem einer der Gründer der Tageszeitung „HaTzofe“.

Während des Ersten Weltkriegs wurde er damit beauftragt, die Interessen der Juden im Land Israel gegenüber dem deutschen Konsul zu vertreten. In dieser Funktion gelang es ihm, die jüdische Bevölkerung vor verschiedenen Erlassen der Türken zu bewahren, der Verbündeten der Deutschen. Er beteiligte sich an der Gründung Tel Avivs und baute ein Haus in Nachalat Benjamin. Er wirkte an der Gründung der Viertel Neve Sha'anan in Haifa, Beit VaGan und Beit HaKerem in Jerusalem, der Siedlung Ruhama im Süden und Bat Jam mit. 1936 gehörte er zu den Gründern der Einrichtung „Aluma“ in Jerusalem, einem der ersten Versuche im Land, religiöse Studien mit weltlichen Fächern zu verbinden. Er gehörte zu den Initiatoren der Gründung der Universitäten Bar-Ilan, Haifa und Tel Aviv.

1925 war R. Benjamin einer der Gründer der Vereinigung „Brit Schalom“, die die Gründung eines binationalen Staates forderte, in dem Juden und Araber volle Gleichberechtigung genießen sollten. Er gab ihr Mitteilungsblatt „Unser Streben“ heraus und engagierte sich mit großer Energie für sie. In seinem Haus in der Jerusalemer Straße HaMa'alot richtete die Bewegung ihren Sitz ein. Gemeinsam mit ihm wirkten in der Vereinigung Geistesgrößen wie Martin Buber, Judah Magnes, Gershom Scholem, Hans Kohn und Ernst Simon. Nach einigen Jahren verließ R. Benjamin die Bewegung. Als Zionist in der Tradition Herzls lehnte er die Zugeständnisse ab, zu denen seine Freunde in Fragen der jüdischen Einwanderung ins Land Israel bereit waren.

Dennoch setzte er sich bis an seinen letzten Tag für Frieden und Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern ein. Er war aktiv in „Kedma Mizracha“, der „Liga für jüdisch-arabische Annäherung“, in „Ihud“ und in der Monatszeitschrift „Ner“, die er gegründet und herausgegeben hatte. Er lernte Arabisch und war überzeugt, dass jeder Jude im Land die Sprache lernen müsse. Außerdem besaß er Hefte, mit denen er selbstständig Arabisch lernte.

Als er 1956 vom Massaker in Kafr Qasim hörte, erklärte er im Alter von 76 Jahren, er werde aus Solidarität mit den Bewohnern in das Dorf ziehen. Während des Waffenstillstands im Unabhängigkeitskrieg wandte er sich in Zeitungsartikeln an die Araber und ihre Führer und bat sie, den Familien der Gefallenen des Gusch Etzion zu erlauben, die Gräber ihrer Angehörigen zu besuchen: „Es geht um eine religiöse, menschliche und kulturelle Angelegenheit, die jedem anständigen und gewissenhaften Menschen auch in Kriegszeiten und erst recht während eines Waffenstillstands am Herzen liegen sollte, unabhängig von Religion und Volk.“ Er schlug auch einen Friedensplan vor, der die Rückkehr von 100.000 palästinensischen Flüchtlingen in das Gebiet Israels und ihre Ansiedlung dort, die Aufnahme der übrigen Flüchtlinge in den arabischen Staaten sowie den Verzicht auf den südlichen Negev vorsah. Diese Ansichten brachten ihm scharfe Kritik ein.

Humanismus, Rettung und Kritik

R. Benjamin war ein Humanist mit einem weit gefassten Weltbild. Er glaubte an soziale Gerechtigkeit, gleiche Rechte und die Würde des Menschen. Außerdem war er überzeugter Feminist. In einem Artikel von 1915 über den Ersten Weltkrieg verortete er die Anfänge der modernen Friedensbewegung im Wirken Bertha von Suttners und in ihrem Antikriegsbuch „Die Waffen nieder!“

1942, als die ersten Berichte über die Vernichtung der Juden Polens das Land erreichten, gehörte R. Benjamin zu den wenigen, die nicht gleichgültig blieben. Er organisierte Intellektuelle und soziale Aktivisten aus allen Parteien in einer Gruppe namens „Al Domi“ (der Name stammt aus dem Aufruf „Gott, schweige nicht, verstumme nicht und bleib nicht still“ [Psalm 83,2]). Ziel der Gruppe war es, auf jede erdenkliche Weise das Bewusstsein im Jischuw für das Geschehen in Europa zu schärfen und die öffentliche Meinung weltweit zu beeinflussen, um Juden zu retten. Zu den Mitgliedern der Gruppe gehörten auch S. J. Agnon, Martin Buber und Dov Sadan.

Ein Jahr nach Berl Katznelsons Tod tat R. Benjamin etwas, das als unschicklich galt: Er griff ihn öffentlich dafür an, dass er nicht seine ganze Kraft der Rettungsaktion gewidmet, sondern es vorgezogen hatte, in die Herausgabe von Büchern zu investieren.

Nach der Staatsgründung setzte R. Benjamin seine Kritik an der Politik der Führung fort. In einem Artikel von 1957 mit dem Titel „Staat Israel ja, Staat Ben Gurions nein“ schrieb er: „Ben Gurions Staat ist nicht schlicht und bescheiden, wie wir ihn uns vorgestellt hatten, sondern idealistisch-religiös-himmlisch-messianisch-militaristisch. Propheten haben seine Ankunft vorausgesagt ... Generäle haben ihn mit Waffen ausgestattet. Die Raben bringen ihm, wie einst jenem uralten Seher am Bach Kerit, morgens Brot und Fleisch und abends Brot und Fleisch. Sie bringen ihm auch Luxusautos, Flugzeuge und Kanonen in schier unerschöpflicher Zahl.“ Neben seiner antimilitaristischen Kritik ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass R. Benjamin sein ganzes Leben lang ein strenggläubiger Jude blieb. Und doch kritisierte er scharf, wie die israelische Führung die Religion für politische Zwecke einsetzte.

Sein literarisches Wirken war umfangreich: Er verfasste zahlreiche Artikel, gründete Zeitungen und Zeitschriften, übersetzte den größten Teil von Herzls Schriften ins Hebräische, half bei der Übersetzung von Lehrbüchern ins Hebräische und veröffentlichte verschiedene Bücher, darunter „Al haGvulin“, „Otzar haAretz“, „Partzufim“ (zwei Bände) sowie Abhandlungen über Herzl, David Wolffsohn, die Ansiedlung der Jemeniten und weitere Themen. Seine Werke verbinden Sachbetrachtung, Lyrik und Humor.

1947, während des Unabhängigkeitskriegs, gewährte er in seinem Haus nahe dem Kloster Ratisbonne vielen Kindern Schutz, die aus Kfar Etzion evakuiert worden waren. Nach seinem Tod wurde im Dorf ein Gedenkraum für ihn eingerichtet - ein Zeugnis seiner tiefen Verbundenheit mit dem Ort und den Menschen, die dort lebten.

Jehoschua Radler-Feldman, R. Benjamin, starb 1957. Sein Leben vereinte auf seltene Weise die Verbundenheit mit der jüdischen Tradition, die Hingabe an den Zionismus, aufrichtige Liebe und das Streben nach Gerechtigkeit. Er war Schriftsteller, Journalist, Übersetzer, Organisator, Vermittler, Pionier und Aufbauhelfer. Er war an beinahe jedem bedeutenden Ereignis in der Geschichte des Zionismus beteiligt und hinterließ allem, was er tat, seinen unverwechselbaren Stempel. Sein Vermächtnis erinnert daran, dass auch innerhalb des Konsenses Platz für andere Stimmen ist und dass es manchmal gerade die vereinzelten Stimmen sind, die einen gerechteren Weg weisen - selbst wenn man ihnen zu ihrer Zeit nicht folgte.

Fotos dieser Geschichte: ר' בנימין (יהושע רדלר-פלדמן)
בית הקברות סנהדריה בירושלים, מקום קבורתו של ר' בנימיןצילום: דניאל צבי, ויקישיתוף (נחלת הכלל)